Donnerstag, 21.01.2010
Kochs Brei - nicht neu - zu Hartz IV-Empfängern...
»Essay on the Principle of Population«
(zitiert und erklärt von Paul Harrison in: »Die Dritte Revolution«, Suhrkamp 1996)
„Von Natur aus wären die Menschen »träge, faul und arbeitsscheu, wenn sie nicht von der Notwendigkeit gezwungen würden«. Die Leidenschaft zwischen den Geschlechtern sei grundlegend, und das würde sich niemals ändern.
Wegen dieses Triebes wüchse die Bevölkerung stets in geometrischer Progression (1, 2, 4, 8, 16 und so weiter), wenn sie nicht gebremst würde: die Nahrungsmittelproduktion könne jedoch nur in arithmetischer Progression zunehmen (1, 2, 3, 4, 5). Somit »ist die Kraft der Bevölkerungsdichte unendlich größer als die Kraft der Erde, den Menschen zu versorgen.«
Da Nahrung für das Überleben notwendig ist, müssen die Auswirkungen dieser beiden ungleichen Kräfte irgendwie ins Gleichgewicht gebracht werden. In den unteren Gesellschaftsschichten wäre das Problem des nackten Überlebens ein ständiger Begrenzungsfaktor. Alle überzähligen Menschen würden einfach sterben. Die unteren Mittelschichten - einige verarmte Adelige, Händler, Diener und geschickte Arbeiter - könnten vorausschauend sein und spät oder überhaupt nicht heiraten.
Malthus schlug keine Maßnahmen vor, um das Bevölkerungswachstum zu stoppen. Natürliche Begrenzungsfaktoren arbeiteten kontinuierlich und effektiv, bis das Bevölkerungswachstum nicht mehr größer sei als die Zunahme der Nahrungsmittelversorgung.
Malthus’ unheilvolle Lehre war nicht als soziologisches oder natürliches Gesetz gedacht - auch wenn sie sich als solche darstellte. Seine hauptsächliche Absicht war, die Unmöglichkeit des Erfolgs aller Bestrebungen zu beweisen, die das Los der Arbeiter verbessern oder die Einkommen neu verteilen wollten. Malthus machte das recht deutlich: Seine Lehre sei eine »unüberwindliche Schwierigkeit« auf dem Weg zur Vervollkommnung der Gesellschaft. Er sagte, daß sie »entscheidend gegen die mögliche Existenz einer Gesellschaft sei, deren Mitglieder in Mühelosigkeit, Glück und relativer Freiheit lebten und sich nicht um ihr Überleben und das ihrer Familien sorgen müßten.«
In diesem Zusammenhang ist der geschichtliche Hintergrund von Bedeutung. Die Französische Revolution brach 1789 aus und rief auch in Großbritannien Forderungen nach radikalen Reformen hervor. Reformen wurden auch immer nötiger. Das Landbesitzrecht und das industrielle Wachstum nahm vielen armen Landbewohnern die Möglichkeit, ihren Lebensunterhalt von ihrem Land oder ihrem Handwerk zu bestreiten. Gleichzeitig trieb der Krieg die Brotpreise hoch. Um die Armut zu lindern, wurde im Jahr 1795 das Speenhamland-System eingeführt. Es stockte die Löhne der Arbeiter auf, wenn sie unter das Existenzminimum fielen. Dieses wurde anhand des Brotpreises und der Familiengröße berechnet. Das System hatte jedoch lediglich zur Folge, daß die Arbeitgeber die Löhne unter das Existenzminimum senken konnten. So hatten die Armen keine besseren Lebensbedingungen als zuvor.
Deshalb schieb Malthus, der Sohn eines Landbesitzers, aus einer Position der Sorge um sein bedrohtes Vorrecht. Die erste Fassung seines Essay war flüchtig zusammengestellt, schlecht dokumentiert, argumentierte unzusammenhängend und war vor allem polemisch. Die Französische Revolution wurde als ein »Aufruhr von abstoßenden Leidenschaften, Furcht, Grausamkeit, Übel, Rache, Neid, Verrücktheit und Irrsinn, der der wildesten Nation im barbarischsten Zeitalter zur Schande gereicht hätte« verurteilt. Das Speenhamland-System wurde kritisiert, da es Müßiggang, Ausschweifung und eine große Kinderzahl fördern würde. Malthus riet zu einer Rückkehr zum alten strafenden Typ des Arbeitshauses, das so unangenehm war, daß Müßiggänger zur Arbeit gezwungen würden. Er behauptete, daß Ungleichheit unvermeidlich sei. Jeder Teil der Materie »muß eine Ober- und eine Unterseite haben. Es ist unmöglich, daß alle Teile in der Mitte sind.«
Als ein Mann mit religiöser Bindung - er ging 1797 sind Kloster - lehnte Malthus es ab, in den unerbittlichen Folgen dieser »Gesetze« das Zeichen eines zürnenden Gottes zu sehen. Er schieb, daß der ständige Leidensdruck dazu gedacht sei, unsere Hoffnungen auf die Zukunft und auf die Läuterung des Ichs zu lenken. Das Böse existiere nicht auf der Welt, um Verzweiflung zu schaffen, sondern um Aktivität hervorzurufen. Wir sollten es nicht geduldig hinnehmen, sondern uns bemühen, eszu vermeiden. Außerdem »stimuliert« Ungleichheit »soziale Sympathie ... und schafft Spielraum für die vielfältigen Übungen der Mildtätigkeit«. Wenn die Armen nicht arm sind, haben die Reichen keine Gelegenheit, Nächstenliebe zu praktizieren.“
Kommt uns das nicht irgendwie bekannt vor? Roland Koch ist also nicht einmal ein origineller Kopf... Aber gut: hat ja auch noch niemand behauptet. Aber dass seine Ansichten über 200 Jahre alt sind, ist schon bemerkenswert.
In diesem Sinne
A. Ho.
Donnerstag, 10.12.2009
Obama hätte den Nobelpreis...
Und nur weil er schwarz ist und US-Präsident wurde: das ist kein Grund ihm diesen Preis, der für Verdienste vergeben wird, umzuhängen. So sympathisch er mir ist: damit hat sich das Nobelpreis-Kommitee einen Bärendienst erwiesen. Denn wen man einen Präsidenen ehr, der die Truppenzaghl in fremden Ländern noch erhäht, statt den disziplinierten, möglichst nachhaltigen Rückzug anzuordnen, der kann praktisch auch die RAF ehren. Oder die Erbauer des antifaschistischen Schutzwalls oder wen auch immer...
Obama meint, er stelle sich der Welt, wie sie sei. Dann hätte er den Preis sogar ausschlagen sollen, bis irgendwann. Bis nämlich sein "Lebenswerk" auf dem Tisch läge. Und das müsste dann nobelpreiswürdig sein. Aber mit dem Nobelpreis ist ews vielleicht wie mit dem Oscar: Viele Verdiente haben ihn bekommen, aber viele Würdige auch nicht. Das macht solche Preise immer ein wenig fragwürdig.
Für das Preisgeld kann Obama immerhin noch ein paar Weihnachtsgeschenke mehr kaufen. Würde mich interessieren, welche und für wen... Und für die Medaille wird sich bestimmt auch noch ein Plätzchen finden.
In diesem Sinne
Samstag, 22.08.2009
Tage der Heuchelei - zur Leichtathletik-WM
Denn wenn Harting dann mal laut darüber nachdenkt, Doping, zumindest teilweise, freizugeben, ist das angesichts der Zeiten eines Usain Bolt nur legitim. Jetzt nur keine empörten Aufschreie! Bolt rennt bei den Olympischen Spielen problemlos zu 9,69 Sekunden über 100 Metern und gakelt dabei noch rum, als sei er Clown auf dem Kindergeburtstag. Das riecht doch förmlich nach »Mittelchen« aus dem Labor.
Aber was passiert? Harting sagt was Unangenehmes, und für diesen Bolt stehen die Massen auf, werden geradezu hysterisch. Während der eine niedergemacht wird, feiern sie des anderen - alle Gegner verhöhnenden - »saubere« Erfolge.
Noch immer wollen die Massen ihre Helden haben, statt ehrlicher Sportler. »Ehrlich« heißt für mich nicht einfach »ungedopt«, sondern solche, die sich nicht auch noch heuchlerisch hinstellen und davon labern, »sauber« zu sein, um dann einen Rekord nach dem anderen rauszuhauen, als sei das wie Brötchenholen.
Dabei gibt es längst das Beispiel der »Magier«, die sich auch »Illusionisten« nennen. Folgen wir ihren Tricks nicht gern? Auch wenn wir genau wissen, dass es Hellseherei, Telepathie oder »Zauberei« allgemein nicht gibt? Wir alle wissen, dass sich deren Leistungen, so phantastisch sie anmuten, physikalisch erklären lassen. Aber wir genießen den »Betrug«, weil er auf eine gewisse Weise ehrlich ist.
Und das soll im Sport nicht funktionieren? Schon zu den Olympischen Spielen konnte einen die Krätze befallen, wenn man diese ganzen verlogenen Eiertänze mitanschaute. Jeder im Stadion weiß, was er von vielen Leistungen zu halten hat. Aber noch immer warnen die Sportreporter sowohl zur »Tour de France« wie zu den Schwimm- und jetzt Leichtathletik-Weltmeisterschaften vor »Vorverurteilung«! Geht’s noch?
Die Zuschauer sind längst davon überzeugt, dass es »nicht mit rechten Dingen« vor sich geht, und dennoch werden die Sportereignisse zu kommerziellen Erfolgen. Warum sollte man also diese Heuchelei nicht endlich lassen? Wer glaubt, dass die Massen dem Sport den Rücken kehrten, wenn der sich offen zu Doping bekennt, hat die Zeichen der Zeit nicht erkannt:
Jeder weiß, dass die Klitschkos nur Fallobst vorgesetzt bekommen. Jeder weiß, dass beim sogenannten Wrestling nur Choreographien gezeigt werden, und keine Kämpfe. Und jeder weiß, dass die Tour de France eine rollende Apotheke ist. Schadet es den Veranstaltungen? Kurioserweise nicht. Dabei müssten sie leer sein, und dem Desinteresse aller »Sportinteressierten« anheim fallen.
Da konnte vor ein paar Monaten sogar eine Athletin sagen, dass doch auch vor 20 Jahren Weltrekorde gelaufen wurden, ohne dass diese Leistungen in Frage gestellt worden seien. Und nichts anderes tue sie doch auch jetzt. (War’s eine Schwimmerin, eine Leichtathletin oder Eissschnellläuferin? Ich weiß es nicht mehr. Mir ist aber das heuchlerische Argument im Kopf geblieben.)
Schön, kann ich nur sagen, wenn der Sportreporter (eigentlich nur der lebende Mikrofonständer) unkritisch nickend danebensteht und nicht mal nachhakt. Denn: ›Weltrekord‹ ist nicht ›Weltmeister‹, sondern die größte bis dahin erreichte Leistung in der jeweiligen Sportart. Man kann einen Weltrekord aufstellen, und schon früher gab es die Momente, in denen ein vorheriger Rekord geradezu »pulverisiert« oder in Grund und Boden gelaufen wurde.
Aber kann mir einer erklären, wie der damals beinah unfassbare Weltrekord eines nachweislich hochgedopten Ben Johnson, dem nicht einmal das Jahrhunderttalent Carl Lewis folgen konnte, nun von einer ganzen Reihe angeblich sauberer Jungspund-Athleten der Lächerlichkeit preisgegeben wird?
Fast jede WM oder Olympische Spiele bringen einen neuen Wunderläufer hervor. Wie geht das, frage ich hier mal in die Runde.
Zugegeben: Die Trainingsmethoden verfeinern sich im Laufe der Zeit, die Wissenschaft kommt voran, es werden neue Erkenntnisse gesammelt und angewandt; die Menschen werden größer und vielleicht sogar schneller. Aber wo liegt die Grenze des sauber Machbaren? Möglicherweise schon bei 10,1?
Im Grunde wird jede Siegerehrung im Berliner Olympiastadion zur Ehrung auf Widerruf, weil wir überhaupt nicht wissen, was die nächsten Tage an Tests bringen, aber ahnen, was sie brächten, wenn man sie nur konsequenter durchführen würde.
Und wenn das ein mündiger, wenn auch vielleicht noch diplomatisch unreifer, Athlet thematisiert, gehört nicht ihm der Mund verboten, sondern all jenen das Mikrofon entzogen, die sich mit »Wundertaten« nach wie vor als »Saubermänner und Frauen« darstellen und von guten Trainingsmethoden und tollem Trainerstab schwadronieren.
Ein deutscher Weitspringer führte bei dieser Berliner Leichtathletik-WM auch mal seine Ärzte an. Nicht, weil er offen gedopt hätte, beileibe nicht. Sondern weil sie ihn wieder »fit gespritzt« haben. Irgend eine Sehne zwickte, und mit Schmerzmitteln und allen möglichen Bandagen hat man ihn dazu gebracht, weit zu springen, statt die Verletzung auszukurieren. Wo ist da die Grenze zum Doping? Wenn ich (aus welchen Gründen auch immer) nicht in Form bin, kann ich auch nicht antreten, basta.
Dabei möchte ich hier klarstellen: Alles Doping hilft natürlich nichts, wenn die Athletinnen und Athleten nicht das nötige Talent, den Fleiß und die Hingabe mitbringen, die über lange Jahre täglich aufbringen. Das würde ich nie bestreiten: Doping macht aus keinem Pinguin eine Gazelle. Aber ohne Doping würden dieselben talentierten und fleißigen Sportlerinnen und Sportler sicher »weniger« leisten, und das will das Publikum, wollen die Funktionäre, nicht. Denn das ist es doch, wovon die einen träumen und womit die anderen Geld verdienen wollen.
Und man will unbedingt glorreiche Helden sehen. Jeder möchte dabei sein, wenn »Geschichte geschrieben« wird. (Im Sport, woanders, wie in der »Dritten Welt«, in unserem immer unsozialer werdenden Land, in der Wirtschaft, ist es komischerweise dann nicht so intgeressant.) Das ist das Traurige.
Deswegen jubeln alle einem - vermutlich bis unter die Haarwurzeln gedopten - Usain Bolt zu und geben dem »Störer« Robert Harting was auf die Mütze. Der Präsident des deutschen Leichtathletik-Verbandes hat schon angekündigt, Hartings Äußerung würden ein Nachspiel haben. Das würde ich hoffen! Und weiter hoffen, dass der Präsident dem Athleten noch einmal genau zuhört, und dass er dann noch einmal gründlich über diese Tage der Heuchelei nachdenkt, statt sich vielleicht heimlich noch ein Autogramm von Bolt zu holen.
Denn was würde sich mit Hartings Forderung mit einer - sogar nur teilweisen - Freigabe des Dopings ändern? Der Sport würde nur ein bisschen ehrlicher. Wie die »Zauberei« im Zirkus. Wir alle wissen, es sind Tricks, und kein »Magier« wird das je leugnen. Und wir genießen die Illusion trotzdem, weil sie gut ist. Auch im Sport werden mittlerweile Illusionen verkauft. Nur eben nicht ehrlich als solche etikettiert.
Montag, 20.07.2009
Alles schon mal da gewesen...
Dass Geschichte aber durchaus noch ihre Reize hat, und dass der Blick zurück manchmal auch Antworten für »heute« geben kann, möchte der Autor dieser Zeilen in diesem Moment einmal demonstrieren und hofft, dass die werte Leserschaft sich ein paar Minuten geduldet, um sich dann noch einmal Gedanken um so etwas zu machen, wie »moderne Medien«, um Computerspiele und gar noch um »Killerspiele«, die in diesen Tagen immer wieder von Regierenden mit Bann und Acht belegt werden sollen, während andere (die Spieler nämlich) immer und immer wieder ihre Unschuld (oder die Unschuld ihrer Spiele) beteuern. Aber der langen Rede kurzer Sinn: Lesen Sie selbst und staunen Sie.
»Die Männer berieten nun wieder, was zu tun sei. Sie sahen, dass der Gringo in der Erdrinne augenblicklich im Vorteil war; er lag gut gedeckt. Sobald sie zogen, ließ er sich fallen, und ehe sie den Durchgang zum Busch erreichen konnten, hatte er sechsmal gefeuert, und wenn er gut geschossen hatte, lagen sie alle flach. Sie gingen deshalb wieder zurück und setzten sich auf den Erdboden.
[...]
Sicher waren sie zu der Überzeugung gekommen, dass der Gringo ihnen ja auf alle Fälle in die Hände schlüpfen müsse. Er konnte dort nicht weg, und da sie hier auf dem Platz ihr Feldlager hielten, so handelte es sich gewiss nur um zwei Tage, und der Belagerte musste aufgeben. Er würde ja auch einmal schlafen, und dann könne man ihn leicht überraschen.
[...]
Sie suchten sich zu beschäftigen. Und aus diesem Betätigungsdrang heraus kamen sie auf den Gedanken, Curtin [den Gringo] zu überlisten, ihn gefangenzunehmen und sich dann mit ihm den Nachmittag angenehm zu vertreiben. Das Opfer findet gewöhnlich einen solchen Zeitvertreib weniger angenehm. Den Höhepunkt jenes lieblichen Gesellschaftsspiels mit Pfändern überlebt es oftmals nicht.
Die Leute sehen ja alle in der Kirche so viele Bilder und Gemälde mit den blutigsten Greueln, sehen die aufgestellten Figuren der Heiligen und Märtyrer mit zerfetzten Körpern, Leiber, die mit Speeren und Pfeilen vollgespickt sind, offene Mäuler, aus denen der abgeschnittene Stumpf der Zunge herausgrinst, herausgerissene Menschenherzen, an denen das Blut heruntertropft und aus denen rote Flammen schlagen, zernagelte, blutüberströmte Hände und Füße, aufgebrochene Knie und zermalmte Kniescheiben, Rücken, die mit Angelhaken gepeitscht werden, und Häupter, auf die Dornenkränze mit einem dicken Holzhammer getrieben werden.
Und vor diesen Bildern und hölzernen Figuren, die so realistisch sind, dass man von unsagbarem Grauen geschüttelt wird, wenn man sie sieht, und im Schlafe aufgerissen wird, wenn sie einem im Traum erscheinen, liegen die Gläubigen und Frommen stundenlang auf Knien mit weitausgestreckten Armen und ausgebreiteten Händen und wimmern und stöhnen und beten und murmeln und singen mit leiser Stimme hundert, zweihundert, fünfhundert Ave Marias.
Und diese Männer, wenn sie ihren Zeitvertreib mit ihren Opfern suchen, brauchen keine Erfindungsgabe zu besitzen, sie brauchen nur nachzuahmen, was sie von Kindheit an in der Kirche gesehen haben. Und sie ahmen es nach, geschickt und treu nach den Mustern, denn ihre ganze geistige Vorstellung, die sie haben, wurzelt in der Religion, aber in einer Religion, die auf sie nur durch das Äußerliche, durch die realistische Darstellung, durch die mysteriösen Zeremonien wirkt. Und hier ist es, unter diesen Menschen, wo in der Karwoche die ganze grausame Folterungsgeschichte in allen ihren minuziösen Einzelheiten an lebensgroßen Figuren in erschütternder Naturwahrheit den gläubigen Mengen vorgeführt wird.
Das ist kein Passionsspiel; die Vorführungen werden buchstäblich und unmittelbar von diesen Menschen aufgenommen, von diesen bedauernswerten Menschen, die durch unheilvolle Mächte seit Jahrhunderten und bis auf den heutigen Tag in Aberglauben und Unwissenheit gehalten werden, im nackten egoistischen Interesse jener Mächte.
Und eine Regierung, die in wahrhaft modernem Geiste zum Segen dieser gequälten, unglücklichen Menschen zu arbeiten trachtet und den Kampf gegen jene Mächte zu führen gezwungen ist, muss Kavallerieregimenter ausschicken, um diejenigen, die nichts weiter tun, als das nachzuahmen, was sie sehen, einzufangen und als Verbrecher zu behandeln.«
B. Traven: »Der Schatz der Sierra Madre« (1927)
Mittwoch, 08.07.2009
Ehrenkroiz für Dapferkaid - Achtung Satire FSK 16
Und was ist ein deutscher Soldat? Das ist ein Mensch, der immer nur Frieden will (vor allem den eigenen) und nie daran dächte, einen anderen totzuschießen. Deshalb ist er dann ziemlich verdattert, wenn in einem fernen Land (das er selbst mit Waffen und allen Ausrüstungsgegenständen zur professionellen Massenvernichtung bereist hat) jemand auf ihn schießt mit dem Ziel, ihn zu töten.
Ein deutscher Soldat tut nichts Unanständiges, das hat er schon in unzähligen Kriegen und Kämpfen bewiesen. Da braucht er sich nichts nachsagen zu lassen.
Deutsche Soldaten pflanzen Kohlrabi, streicheln Kinderköpfchen und verlegen Wasserrohre. Und sie töten, wenn überhaupt, nur sich selbst bei diversen Unfällen und Ungeschicklichkeiten.
Es gibt die Situation, dass Soldaten von ihren eigenen Kameraden oder Verbündeten beschossen werden. Im Fußball nennt man das ein Eigentor. Im Krieg nennt man das »friendly fire«. Aber »UPS!« Die Bundeswehr befindet sich nicht in einem Krieg, sondern nur in einem bewaffneten Konflikt, also in sowas wie in einer Art Ehekrise. Da sagt man ja auch den Leuten nicht, was sie nichts angeht, sondern geht sich nur hinter zugezogenen Gardinen an die Gurgel.
Wie man allerdings als Soldat in einem Nicht-Krieg tapfer sein kann, ist mir noch ein Rätsel. Kann sein, wenn der höhenängstliche Soldat selbstlos Nachbars Lumpi vom Baum holt, von dem der nicht mehr runterkommt, seit er Schrödingers Katze dort hin nachgejagt ist?
Im Moment wird aber landauf, landab heiß diskutiert, was ein Tapferkeits-Kreuz in der Bundeswehr symbolisieren kann. Für meine Begriffe brauchen wir uns da keine Sorgen zu machen: Orden haben noch nie was bedeutet und waren meist wohlfeiler Ersatz für eine fällige saftige Prämie, die unsere Tapfersten der Tapferen im Dienste des Vaterlands gern mal versoffen und verhurt hätten.
Orden sind so gesehen der Schutz soldatischer Moral. Oder hätten Sie je gehört, dass ein Landser leichte Mädchen mit schweren Orden bezahlt hätte? Ja, lasset uns nachdenken, was Orden symbolisch bedeuten. Zumal, wenn die »Gouvernante nationale« sie den Helden anheftet... ?
Wenn einem Helden sonst nichts peinlich ist, dann dies: »Ich, die Kanzlerin, finde, das hast du fein gemacht, Karlheinz. Und nicht nur du kannst stolz darauf sein... Wo soll ich dir das Ding jetzt hinstecken?« Mann, war das schrecklich, wenn man früher von Mami in die Schule gebracht wurde, und nicht nur das, wenn sie einem dann noch vor allen Schulkameraden noch den Mund abgewischt oder einen Krümel vom Hemd geschnickt hat! Sowas prägt Und jetzt diese Ordensverleiherei. (Weiß einer, wann man den denn wieder zurückgeben muss? Und kostet es Gebühren, wenn man den Abgabetermin oder den Orden verbummelt?)
Naja, sie macht das halt zum ersten Mal. Wird schon noch.
Aber wenn unsere Helden möglichst bald zurück kommen, kriegt jeder Überlebende so einen Orden und einen merkel’schen Händedruck, begleitet von traumatisierend mahnenden Worten für den weiteren (Über-)Lebensweg. Ich wäre dafür, die Tapferkreiskreuze von Hape Kerkeling (»ich habe Rücken.«) und Helge Schneider (»Es gibt Reis, Baby!«) oder von der Belegschaft eines vaterländischen Freudenhauses aushändigen zu lassen. Das würde sicher auch den Olivgrünen Spaß machen, und nicht nur einer Kanzlerin, die todesverachtend in die Mikros des Bundestages trompetet: »Wir weichen vor dem Terror nicht zurück!«
Also, bitte: gebt unserem, ach so mutigen, Kabinett Gelegenheit, sich am Hindukusch im Nicht-Krieg eine Tapferkeitsmedaille durch Nicht-Zurückweichen zu verdienen! möchte man ausrufen. Dann aber (2.Bitte) ohne gepanzerte Limosinen und Leibwächter.
Übrigens:
Die »Titanic«-Kollegen haben schon mal einen Orden in ebay versteigert, um zu schauen, was das Ding wert sei. Aber lest einfach selbst:
http://www.fr-online.de/in_und_ausland/multimedia/aktuell/1826043_Satire-Ehrenkreuz-Auktion-bei-Ebay.html
Mittwoch, 18.03.2009
Alpträume
Hatte jemand schon Amok-Träume?
Ich war darin beides: mal Täter und mal Opfer.
Beides war schrecklich.«
(Nicéfore)
Was Eltern sollen - wieder Appelle zur Weltverbesserung
Finanz- und Bankenkrise sind vergessen. Das durch Baupfusch zusammengefallene Kölner Stadtarchiv, Rechtsradikalismus, ansteigende Arbeitslosenzahlen, Bildungsmisere oder die peinlich-dümmliche Abwrackprämie: alles ist mit diesem einen Schlag vergessen.
Es scheint, als habe die politische Öffentlichkeit geradezu danach gelechzt: Politiker überbieten sich in Betroffenheitsrhetorik und Forderungen nach strengeren Gesetzen und Eltern. Alle bekunden, wie entsetzt sie seien, und landauf, landab wird gerätselt, »wie so etwas passieren konnte«.
Ich möchte gleich sagen: Ich meine mit meiner Kritik ausdrücklich nicht die Bevölkerung von Winnenden oder Erfurt, die Schülerinnen und Schüler, die Lehrerinnen und Lehrer, die das Massaker überlebt haben und im Laufe der Zeit mit den Traumata und Bildern fertig werden — und nur allzu bald wieder »ganz normal« funktionieren — müssen. Ich meine nicht die betroffenen Eltern (sowohl der Opfer wie des Täters). Ich meine nicht den Bürgermeister von Winnenden, den Pfarrer oder wen auch immer dort vor Ort. Ihnen allen glaube ich, wenn sie sich schockiert zeigen.
Ich meine diese ganze Betroffenheitsindustrie, die seit dem Amoklauf wieder angesprungen ist: wie einst in Erfurt. Den Aktionismus, und die ebenso gebetsmühlenhaften wie unrealistischen Forderungen, die am Ende doch wieder nicht umgesetzt wurden und werden.
Und ich meine die ganze Arbeit, die man jetzt mal wieder von Eltern fordert, die — wenn nicht gar geschieden — oft beide Geld verdienen gehen müssen, um ihren Kindern ein halbwegs würdiges Leben ermöglichen zu können.
Sie sollen sich Zeit nehmen, für ihre Kinder. Ja, wann denn, wenn papa den ganzen Tag arbeiten geht, und Mama auch, weil die Kohle für Miete und das sonstige Leben (nebenbei auch noch für Steuern, Rentenvorsorge, Riesterei und die Krankenkassen) hinten und vorne nicht reicht?
Lassen wir die Ministerpräsidententochter, die ihrem Papa sieben Enkel bescherte, außen vor. Die hat das alles außer Konkurrenz geschafft. Sonst könnte sie jetzt nicht so entspannt-ministrabel lächeln, sondern wäre wahrscheinlich viel zu sehr außer Atem, um überhaupt einem Beruf nachzugehen. — Aber sie macht die Regeln, sie redet daher. Ähnlich wie die Kanzlerin Merkel, die Familie im Prinzip nur ex cathedra kennt.
Also sollen mal wieder die Eltern machen: Achtet auf die Ego-Shooter und Computerspiele, die eure Kinder spielen! (Wer achtet auf die stundenlange Dauerberieselung des Fernsehers, der uns jetzt schon eine Woche auf allen Kanälen beibringt, daß Tim K. post mortem ein echter Star wurde?) Wer sagt da mal: »Piano, mal halblang! Wir wollen doch keine weitere (Stil-)Ikone der Amok-Gefährdeten bilden«?
Außerdem spielen so viele Millionen Menschen »Counter Strike« oder »World of Warcraft«, und wir haben bislang nach meiner Zählung nur zwei »klassische« Amokläufe in Deutschland. Die übrigens beide mit legal verkauften Waffen verübt wurden! Die Waffengesetze müßten also wirklich auf ihre Wirksamkeit überprüft werden.
Eltern sollen mehr mit ihren Kindern reden und ein offenes Ohr für sie haben. Das ist eine schöne Absichtserklärung aus der Politik, die zugleich alles abschafft, was Eltern die Luft zum Atmen (und für »Kinderarbeit«) zurückgäbe: Ladenöffnungszeiten werden verlängert (muß erst das Kind einer im Dauereinsatz befindlichen Supermarktverkäuferin Amok laufen?), Wochenenden möglichst abgeschafft (wann soll Papa mal mit den Kindern spielen?) und die Löhne möglichst kurz gehalten (also müssen alle länger arbeiten, damit sie davon auch leben können).
Und mit der meine ich nicht: Polizeistaat, sondern Zusammenhalt. Wer den Nachbarn kennt, kann mit ihm reden. Wer Freunde hat, auch mit ihnen über eigene Probleme, Sorgen und Nöte sprechen. Meist, ohne auszuticken. Aber das ist politisch nicht gewollt. Da geht es (siehte Hartz IV oder ALG II) um Vereinzel(l)ung, oder (siehe Schlecker) gegen gewerkschaftliche Organisation. Der allein stehengelassene Mensch kann sich nicht solidarisieren, kann also die Finanzströme nicht behindern, sondern bleibt an sich ungefährlich und muss für sich: oftmals bitter bluten.
Aber jetzt haben wir unsere kollektive Aufregung ja wieder,die von größeren Unterlassungen der Politik ablenkt:
Es werden wieder dieselben Sätze ausgepackt, Proteste gefordert, und Eltern angehalten, auf ihre Kinder, deren Computerspiele und die eigenen Waffen aufzupassen. Ach, ja, die Waffengesetze sollen auch mal wieder verschärft werden. (Wäre ich dafür, warum ist das seit Erfurt noch nicht passiert?)
Schärfere Waffengesetze waren nämlich beim Fall in Erfurt auch schon eine bis heute nicht umgesetzte Forderung. Und jetzt wieder »nach Winnenden«: Zunächst einmal schreien die Bundestagspolitiker, daß das Waffenrecht zu verschärfen wäre. (Toll, und warum ist das nicht längst passiert, seit Erfurt?) Dann sollten sich die Eltern mehr mit ihren Kindern beschäftigen.
Und die Schützenvereine (ich bin als Reporter zum An- und Ab-, Neujahrs, Weihnachts- und Königsschießen immer wieder in solchen) werden wieder die alten Rückzugsgefechte kämpfen. »Wir sind gut, harmlos - und eine Pistole oder ein Gewehr ist in erster Linie ein Sportgerät.« Auf die stichhaltige Frage eines TV-Reporters: »Müssen denn wirklich schon 12-Jährige an Waffen herangeführt werden?« kam das aberwitzigste Argument: »Wir freuen uns doch alle über die Medaillen der Schützen bei Olympischen Spiele, oder?«
Wir würden uns aber auch über Goldmedaillen im Komasaufen, Dauerkiffen oder im Kaninchentotfahren freuen, wenn es diese Disziplinen gäbe. Es muß nur endlich einer diese Disziplinen zulassen. Aber empfinden wir solche Sportarten deswegen unbedingt als erstrebenswert? Und müsste man dann auch die späteren Olympiasieger möglichst früh heranführen?
Bislang erfolgreich wurde übrigens vom IOC ein unbegreifliches Spiel abgelehnt, bei dem man mit einem unglaublich dumm gebogenen Stock den Rasen kaputtmacht; und das nur, um einen viel zu kleinen Ball zu schlagen, der niemandem etwas getan hat! Und wenn der dann mittels dieses Schlages in einer für Innerorts völlig überhöhten Geschwindigkeit durch die Luft fliegt, besteht sogar unter Umständen noch Gefahr für Leib und Leben der Zuschauer.
Aber zurück zu den gemahnten Eltern. Es bleibt nach wie vor das alte Problem: Eltern, die diese Appelle ernst und sich zu Herzen nehmen, brauchen diese gar nicht, weil sie selbst schon Pazifisten und Eltern genug sind, entsprechend auf ihre Kinder aufzupassen. Und jene, die gemeint sind, hören sie nicht, weil sie vielleicht selbst gerade am zocken oder (Achtung, Klischee) am Saufen sind.
Liebe Eltern, nehmt diese Appelle nicht so ernst! Jene, die sie absondern, kennen die Erziehung ihrer eigenen Kinder oft nur von ihrem polnischen Kindermädchen und spielende Kinder nur aus dem »Tatort«.
Eltern sind Eltern. Und solange jeder sein eigenes Würstchen auf die Welt drücken darf (ja, »für die Rente« sogar von Politikern gefordert: muß), ohne vorher TÜV-geprüft worden zu sein, ob er es geistig und materiell überhaupt gut versorgen kann, sollten diese Polit-Monstranzen lieber schweigen.
Darüber hinaus aber glaube ich, daß ein zu allem (also auch zum eigenen Tod) entschlossener Mensch weder mit Gesetzen, noch mit Kontrollen oder Polizeimacht von seinem Vorhaben abzubringen sein wird.
Montag, 16.02.2009
6000 Nazis und die Politik schweigt
Wieder keine "Empörung" der heutigen Politiker: Merkel? Fehlanzeige. Koch? Nicht anwesend. Schäuble? Schweigt.
Zu den "U-Bahn-Schlägern" in München und Frankfurt/M. hatten sich seinerzeit alle sofort, klar und unbarmherzig geäußert und alle Empörung, zu der sich fähig waren, rücksichtslos in jedes an- oder ausgeschaltete Mikrofon geplärrt. Aber hier ging es ja nur um 6000 Nazis, die in Dresden aufmarschierten. Nach Lesart der heutigen Konservativen sind das 6000 Einzeltäter, 6000 potenzielle spätere Wähler. Dann nämlich, wenn sie sich vielleicht nicht mehr wagen, in der NPD oder deren Splitter- und Unterorganisationen einzusetzen, weil sie als "Familienväter" und "Arbeitnehmer" was zu verlieren haben und deswegen eben das "C" wählen, obwohl sie es als Nazis schon für "zu links" gehalten haben.
6000 Leute hat die RAF seinerzeit sicher nicht zusammenbekommen, vermutlich nicht mal 600. Aber welchen Staatsapparat hat man da in Gang gesetzt, diese Leute festzusetzen und abzuknallen.
Ämter wurden geschaffen, Abteilungen aufgestockt, die Polizei aufgerüstet, Demonstrationsrechte beschnitten und letztlich Gesetze geändert, für die Handvoll RAF.
Die 6000 gewaltbereiten Nazis in Dresden scheinen niemand zu erschrecken. (Vielleicht, weil alle hoffen, dass sie bei "Niggern". "Indern", "Linken Zecken", "Schwulen" und "Sozialschmarotzern" aufhören?) Die Nazis zeigen: wenn man sie gewähren lässt, hören sie nicht mehr auf, bis es ihnen selbst wehtut. Dieser Staat will nicht wehtun, zumindest nicht "aufrechten Deutschen" mit "gesundem deutschen Volksempfinden".
Auf Autobahnraststätten werden Gewerkschafter überfallen. Von 40 Nazis krankenhausreif geschlagen. Und die Politik? Funkstille. Man redet lieder ein bißchen über Hypo Real Estate und stellt neue hyperteure Bürgschaften für "notleidende Banken" aus: waren ja nur 40 Einzeltäter, die im Grunde das Richtige gemacht haben.
Wenn zwei "Ausländer" (und dann gar "Türken" - huch, es war ja nur einer, der andere war Grieche und ist nicht abzuschieben... peinlich) einen alten Mann in der U-Bahn zusammenschlagen, ist die Empörung groß, und es werden Gesetze geändert. Hier soll dieser feige Attacke nicht verteidigt werden, man muß das hart bestrafen: d'accord.
Aber der Ministerpräsident Roland Koch änderte sogar seinen Wahlkampf und hetzte gegen "kriminelle ausländische Jugendliche". Und forderte, dass "die Fäuste in Deutschland gefälligst in der Tasche" zu bleiben hätten. Deutsche Nazis scheinen nach dem Dafürhalten Kochs, Merkels und Schäubles die Fäuste gern aus der Tasche holen zu dürfen.
Auch gegen nach Hause fahrende Anti-Fascho-Demonstranten, die sich nicht einmal einer Prügelei stellen, sondern vor der Bedrohung flüchten und in den Bus zurück wollen. Die einen haben die Nazis sogar wieder aus dem Bus herausgezogen und einen dann besonders übel zusammengetreten.
Nicht nur vorläufiges Fazit: Der Bürger ist gut, um 100 Milliarden Bürgschaft für Hypo Real Estate zu blechen, aber er ist nicht einmal davor geschützt, sich von den Braunen verprügeln zu lassen. Und dieselbe Polit-Oligarchie, die solche Bürgschaften gibt, schweigt dazu und ist nicht auch nur bereit, wenigstens ein wenig Empörung zu heucheln.
Allerdings höre ich an diesem Morgen (16. Februar 2009, 9:19 Uhr) auch noch nichts von SPD oder "der Linken". Die etablierte Politik hat sich, scheint's, vom "Aufstand der Anständigen" verabschiedet.
Aber es macht eben auch mehr Orgasmus, mit Milliarden zu spielen, als sich um die Niederungen eines wieder aufkeimenden Nazi-Deutschlands zu kümmern.
Nazis sind der etablierten Politik ein wenig unsexy, und wie es mir scheint, nicht ganz unerwünscht mit ihrem wüsten Auftreten.
Sie mögen im "Superwahljahr 2009" lieber "NO GO AREAs" als "multikulturelle Stadtteile" oder gar "Subkultur"... sprich: "Parallelgesellschaften". Die Nazis sind nämlich keine mehr.
Montag, 19.01.2009
Ypsilanti-Bashing - oder: Nachbetrachtung einer Hexenjagd
Zu denen allen gehöre ich nicht.
Auch die ganzen Haßtiraden auf Andrea Ypsilanti, mit den einfach unverschämten Spielchen mit ihrem Namen, kann ich, ehrlich gesagt, nicht verstehen. Ypsilanti (und nur so heißt diese Frau) hat eine SPD von Gerhard Bökel übernommen, die das mit Abstand schlechteste Wahlergebnis seit Menschengedenken im einst »roten« Hessen erzielt hatte. Die SPD war sowas von am Boden, daß Koch nicht einmal nachtreten mußte, um vor sechs Jahren die damalige Wahl mit absoluter Mehrheit zu gewinnen. Noch einmal für alle Begriffsstutzigen: Gerhard Bökel hatte Roland Koch mit seinem SPD-Vorsitz und seiner Kandidatur die absolute Mehrheit beschert. was dazu führte, daß die CDU/FDP-Koalition auseinanderbrach, weil sich die damalige Ruth-Wagner-Partei nicht zum Anhängsel machen wollte.
Und natürlichwollte Ypsilanti, als sie Roland Koch so gut wie aus dem Amt gejagt hatte, auch die Früchte ernten. Denn mal ehrlich: hätte irgendjemand anders gehandelt als sie? Wäre irgendwer nach einem solchen nahezu Erdrutschergebnis brav in die zweite Reihe getreten und hätte gesagt: »Soll ein anderer machen«? Hätte irgend ein Mann sich genau in dieser Lage die Butter vom Brot nehmen lassen? Nein!
Roland Koch wußte, daß er alle Mehrheiten verloren hatte. Er wußte, daß für ihn praktisch die letzte Messe gelesen war. Er wußte nur nicht, wie viele Freunde, (nämlich vier!) er in der SPD hatte. Aber trat er bescheiden zurück? Er, der immer wieder gern betonte, daß er an keinem Sessel klebe?
Er klebte: ein Jahr lang. Selbst als er sein eigenes Schulgesetz kassieren mußte, sah er keinen Anlaß, mal den Hintern vom Sessel zu bewegen. Und während sich die SPD mit Dagmar Metzger (der ersten »Aufrechten«!) abarbeitete, und während drei weitere Koch-Fans die Messer wetzten, übte sich Koch in staatsmännischer Attitüde. Er war nicht nur geschäftsführender Ministerpräsident, er war im Grunde schon so gut wie rausgeschmissen. Aber ging er? Awwä naa! Wo denksn hi?
Ypsilanti wird hingegen als machtgeile Intrigantin mit Tunnelblick und wenig Gespür für das Machbare beschimpft. Die rechten Teile der SPD sind ein wenig enttäuscht, daß sie sich noch nicht erhängt hat. Ich denke, bei ihnen hat Jürgen Walter noch mehr sympathien als »diese Frau« (paraphrase für »Weibsstück«).
Aber jetzt ist Ypsilanti endlich (endlich!!!) zurückgetreten und hat ihrer »Marionette« Thorsten Schäfer-Gümbel von den Zugseilen gelassen. Von dem behaupten ja auch schon einige Halbhirne, sein Name sei genauso zum Spott geeignet und weise auf seine weiche Birne hin. (Sie werden sich noch wundern!). Und wie der ausschaut! So einen kann man doch nicht frei herumlaufen lassen. »Mit solchen Glasbausteinen vorden Augen!«, wie selbst der Spiegel bemerkte.
Dieselben Krakeeler sollten sich mal fragen, warum Roland Koch einem frühzeitigen TV-Duell mit Schäfer-Gümbel ausgewichen ist: Weil dann selbst den hessischen Christdemokratischen Wählern peinlich aufgegangen wäre, wer der wahre Schönling von beiden ist. Und schlagfertiger ist der TSG auch, das hat er in der last minute-Elefantenrunde des Hessischen Rundfunks gut demonstriert.
So einer, das hat er auch gezeigt, würde sich von niemandem zur Marionette machen lassen. Aber wenn einer nicht in den Chefsessel pupst, muss es eine Marionette sein, wie wohl viele CDUler aus leidvoller Abnick-Erfahrung wissen.
So, aber nach dieser Wahl sind alle zufrieden: Die Sozis, daß sie dieses schreckliche Weib nicht mehr ertragen müssen, die Christdemokraten, weil sie den Vergleich von Ypsilanti - Merkel nicht mehr aushalten müssen, und nicht von einer zweiten Frau regiert werden -- die FDP sowieso, weil sie bislang nur Ruth Wagner aufbieten konnte (wessen Marionette Nicola Beer ist, fragen wir jetzt lieber nicht; wäre zu peinlich für alle Seiten...) und die Koch-CDU sowieso, weil sie jetzt nämlich mit komfortablen 37,2 Prozent (mit ihrem zweitschlechtesten Ergebnis, also, und bei 40 Prozent Politiker- und Wahlverdrossenheit) regieren dürfen.
Das wollte ich hiermit mal gesagt haben. Aber diese Zeilen liest ja sowieso wieder kein Schwein.
Mittwoch, 03.12.2008
Der Wahlkampf, der Populismus und ich (1)
Aber jetzt kommt mal wieder eine Hessenwahl mit einer Bundestagswahl einher, und das wird dann schon unerträglich. Jetzt fangen sie in Berlin doch schon an, von "Konsumgutscheinen" zu faseln, die jede/r von uns bekommen soll. Fein, "dann mal her mit de Kohle", wie Bud Spencer in einem seiner Streifen sagte (und kaum intelligenter als seine Filmrollen kommt mir dieser Vorschlag vor).
Denn den Konsumgutschein bekommen natürlich wieder Alle! Also nicht, daß man sagen würde, die über 3000 Euro netto pro Monat verdienen, können sich ja selbst was kaufen. Wir sind beim Verteilen immer so "demokratisch". Das macht einen schon krank.
Das andere ist, dass diesem Vorschlag der Populismus aus allen Knopflöchern leuchtet. Also die ganzen Bankenmanager bekommen diese 500 Euro Konsumgutschein, wie... nein, nicht wie Hartz IV-Leute... wie die berühmte kleine Putzfrau. Die hat aber inzwischen einen Haufen schlecht arbeitender 1-Euro-Jobber zu fürchten, die zwar billiger arbeiten, dafür aber ganz lasch. Hat mir eine Putzfrau erzählt. Aber die Firmen wollen ja nicht einmal mehr Putzfrauen einigermaßen vertretbare Entlohnungen zahlen.
Ja... Wo war ich eben?
Ach, ja, bei der Putzfrau. Vielleicht bekommt die auch keinen Konsumgutschein, auch wenn sie drei Kinder zu versorgen hat, und einen arbeitslosen Mann, der aus Altersgründen keinen Job mehr bekommt, es sei denn, er würde als 1-Euro-Man neben seiner Frau putzen - und ihr letztlich noch den Arbeitsplatz streitig machen...
Warum die Putzfrau keinen Gutschein bekommt? Weil die einfach finanziell unterqualifiziert ist. Die wird, wie auch andere, die zu wenig pro Monat bekommen, nicht verstehen, warum sie die Kohle gleich ausgeben soll. Sie wird... ähm... also... die wird das Geld auf die Hohe Kante legen und sparen, für schlechtere Zeiten. Das aber wäre ja nicht der Sinn dieses Gutscheins.
Außerdem sollen die Konsumenten bei ihren Gutscheinen noch rund 200 Euro zuzahlen, damit das Spiel noch mehr Musik bekommt. - Naaa? Das könnte die Putzfrau ja auch nicht! (Eben finanziell unterqualifiziert.)
Also bekommen nur jene einen Konsumgutschein, die sich nicht nur diese 200 Euro leisten können, sondern auch genug Polster haben, diese 500 Euro wirklich mal spontan sinnlos auszugeben. Also all jene, die ohnehin schon im sinnlosen Geldausgeben geübt sind. Kann das eine Putzfrau mit drei Kindern? Nein. Also kriegt die schon dreimal nix.
Ich setze mich mal vor meinen Briefkasten und warte, bis der Gutschein hineinrauscht.
Bis denne
aho
Gequirlter Mist!
Wenn diese CDU-Deligierten wirklich meinen, dass Detusch Verfassungsrang bekommen soll, und wenn die CDU das wirklich durchsetzen wollte, müsste diese Partei darauf bestehen, allen, die diese Sprache pflegen, also Germanisten, freien Journalisten, Deutsch-als-Fremdsprache-Lehrern, Dichtern und Buchautoren ob ihrer Arbeit an und mit diesem »höchsten Kulturgut« eine Bestands- und ausreichende Einkommensgarantie geben. Ahnlich wie den seit Jahrzehnten hoch subventionierten Landwirten.
Denn auf dem Markt »Deutsch als Fremdsprache« geht man mit jenen, die sich um die tägliche, angemessene und vor allem korrekte, Verbreitung dieses »Kulturguts« sorgen, eher despotisch um, und nicht angemessen respektvoll. Wer hierzulande auf dem freien Markt Deutsch unterrichtet gleicht eher einem Ein-Euro-Tagelöhner und Baumwollpflücker, denn einem Kulturpfleger mit Verfassungsrang. Das müsste man ändern, und keine Paragraphen.
Übrigens
Die Ausrede »die anderen haben das auch« macht die Forderung, Deutsch als Verfassungsgut festschreiben zu wollen, übrigens nicht weniger chauvinistisch. Wirkliches Selbstbewusstsein äußert sich anders. Denn diese Paragraphenänderung sendet in der Tat das Signal aus: »Man spricht Deutsch!« - als Gerhard Polt-Film ist das lustig, als Gesetz nicht.
Solche chauvinistischen Windeier finde ich, halten zu Gnaden, zum kotzen!
Mittwoch, 15.10.2008
Das Imperium hört nicht zu
Dabei finde ich sogar, daß das ungefähr das Beste war, was er je im Fernsehen gemacht und gesagt hat.
Aber das Imperium hört nicht zu, ignoriert und marginalisiert den sonst als "Kritikerpapst" apostrophierten Reich-Ranicki. Um seiner Rage und »vernichtenden« (???) Kritik Herr zu werden, sprach der jugendliche 58-jährige Thommy Gottschalk dazwischen und tat genau das, was MRR gerade kritisierte: er verflachte den Augenblick, der gerade magisch zu werden drohte. Während sich alle bereits auf Gift und Galle vorbereiteten, während man schon hoffte, daß endlich mal einer dem Kaiser sagte, daß er ja gar nichts anhabe, kam das Oberblondchen des ZDF und packte alles mehr oder weniger in allmedial-mediokre Zauberwatte und führte den zürnenden MRR am Nasenring (fauler Kompromiss) auf seinen Platz zurück.
Für mich war dieser Moment geradezu eine Zensur. Hier hielten die Macher und das Medium selbst die Schimpfkanonade eines Kritikers nicht aus. Vermutlich, weil sie ahnten, daß er Recht haben könnte. Statt ihn ausreden zu lassen (Tommi, man fällt älteren Menschen nicht ins Wort!), wurde alles auf Wetten-daß...?-Niveau abgeschmirgelt, und der groß zu werdende Moment zur profanen Plattheit komprimiert.
MRR gab sich meiner Meinung nach aber auch zu schnell mit dem Geplapper von Tommi zufrieden, dem er zu allem Überfluß auch noch das »Du« anbot und ihn inniglich umarmte. Wären nicht die zuvor gefallenen harschen Worte gewesen, ich ginge von einer Altersdemenz aus. Zumal Gottschalk geradezu idealtypisch all den Flachsinn verkörpert, den MRR doch eben noch hatte geißeln wollen.
Bemerkenswert finde ich nur, dass Barbara Schöneberger, der stets dramatisch dreinblickende Rauschgoldengel, der immer vorgibt, sich selbst nicht allzu ernst zu nehmen, sogleich eine Schublade für MRR parat hatte: Ein alter Mann sei das, dem halt der Abend zu lang geworden sei. -- Fehlte fast, daß sie ihn mit einem quengelnden Kind zu nachtschlafender Zeit verglichen hätte. Eine so genannte Medienkritikerin äußerte sich in der 3-Sat-Kulturzeit ähnlich. anstatt den Vorwurf auch nur für einen Moment ernst zu nehmen, wird halt der Kritiker geopfert.
Sehen solche Leute nicht, daß es einfach äußerst albern wirkt, wenn das vielgescholtene »DSDS« als mehr oder weniger kulturtragende Sendung geehrt wird? Und daß diese Sendung zwei kaum weniger niveaulose Sendungen schlagen mußte? - Übrigens wußte die Jurorin der Sendung, Barbara Schöneberger, später nicht einmal, wofür DSDS nun wirklich geehrt wurde, wie sie in einem Beckmann-Interview bekannte!
Komischerweise loben jetzt alle Gottschalks »souveränen« Umgang mit der Situation. Ich fand: wenn irgendwer an diesem Abend nicht souverän war, dann Gottschalk. Und wenn Gottschalk je nicht souverän war, dann an diesem Abend. Denn er hätte ja gleich in dem Moment den alten Grantler kurzinterviewen können.
Stattdessen bot er ihm an, mit allen vier anwesenden Intendanten in nächster Zeit über Kultur und Literatur im Fernsehen zu diskutieren. Das beschwichtigte die große Eitelkeit des kleinen MRR bereits, viel zu früh: und machte ihn tatsächlich wieder zum possierlichen Medienhansel. Da hätte »der alte Fuchs« sicher mehr herausholen können. Für sich und für alle, die gern gutes, kreatives, aufrüttelndes, inspirierendes Fernsehen genießen.
Und jetzt muß er nachsitzen. Mit seinem neuen Duz-Freund Tommi. Im ZDF. Und wo? Jetzt kommt der Witz: Auf dem eigentlich angestammten Spät-Sendeplatz von »aspekte«, das für diesen Mumpitz (was anderes kann es mit Gottschalk nicht werden) noch tiefer in die Nacht hinein verlegt wurde.
Kleine Hellseherei:
Mit Geigenquartett und Bäumchen neben zwei Ohrensesseln, in gediegen bürgerlicher Biederkeit werden die beiden da sitzen. Gottschalk wird den gelehrigen Papagei geben, und MRR ein wenig herumknottern. Gottschalk wird seine Mama grüßen und sich immer wieder von MRR bestätigen lassen, daß er, Gottschalk, doch nicht so schlimm ist, wie er selbst es eigentlich schon immer gefühlt hat.
Schade: wieder eine große Chance verpaßt. Oder der FAZ-Kritiker hatte gerade den Auftrag, die Zuschauer mit einem »Eklat« von der Bankenkrise abzulenken. Bei den meisten, die sich diesen Fernsehpreis gern ansahen, dürfte es funktioniert haben.
Montag, 28.07.2008
Hört Ihr was?
Nein, nicht jetzt, im gegen die "Freien Kräfte Schwalm-Eder", sondern damals, gegen die (natürlich ausländischen) U-Bahn-Schläger. Da dauerte es fast nur Minuten, daß der Ministerpräsident Koch "online" und auf allen Kanälen zu vernehmen war.
Hören wir jetzt etwas? Hallo: da haben Neonazis ein Jugend-Camp angegriffen! Da hat einer mit dem Klappspaten auf eine schlafende 13-Jährige eingedroschen!
Hören wir was? Es ist jetzt eine Woche her. Aber der Ministerpräsident, der Freund des Dalai Lama, hält sich vornehm zurück. Es ist natürlich auch viel besser in der Hessischen CDU, lautstark die Abschiebung eines Griechen und eines Türken zu fordern, weil sie einen Deutschen angriffen, als sich zur rechten Gewalt zu äußern.
Mit einem Klappspaten eine 13-Jährige im Schlaf zu überfallen ist in Deutschland eher statthaft, als einen Rentner in der U-Bahn...
Ich horche. Aber ich höre ihn nicht. Mit dieser Geschichte wird die CDU natürlich keine Sicherheits- und Jugendkriminalitäts-Debatte anstoßen. ... Vielleicht auch, weil es hierzu keine Bilder gibt, die man auf Plakaten zeigen könnte, und kein Video.
Mal sehen, ob sich irgendwer in der Landespolitik aufrafft, diese rechtsradikalen Umtriebe zu thematisieren. Viellicht doch unser Hardliner? Aber nein:
Über allen Wipfeln ist ruh, das Schweigen im hessischne Forst... Der Koch steht nicht auf dem Schlauch. Warte nur balde: ruhest du auch...
Samstag, 26.07.2008
Vergesst Obama!
Um es kurz zu machen: Obama wird kein Präsident der USA.
Der Deutschen liebstes Intelligenzblatt unterstellte ihm eine "Körpersprache wie Mandela". Obama ist vielleicht etwas mehr als die Hälfte so alt wie Mandela und hat schon die Körpersprache eines 90-Jährigen? Und den soll jemand wählen?
Und was hatte er zu sagen? "Die Welt muß zusammenstehen! Die USA können das nicht allein." Das wußten wir schon seit Raumschiff Enterprise. Da brauchte es keine Barak Obama dazu. (Oder war das ein verkapptes "Völker, höret die Signale"? - Ein weiterer Grund, warum er nicht Präsident wird.)
Klartext: Er wird nicht Präsident, weil er braun ist, weil er linken Kram erzählt und weil er ein unerträglicher Streber und Gutmensch ist. Vor allem aber, weil er braun ist, und weil er linken Kram erzählt...
Wenn dem aber so ist, wie ich eben so unumwunden schlüssig gefolgert habe: Warum machen sich alle so wild. Wißt ihr, was für ein Schwachsinn sonst täglich an der Berliner Siegessäule geredet wird - oder am Brandenburger Tor? Da hören dann keine 200.000 Leute zu. Und das ist auch gut so: denn die dan immer den Quatsch verzapfen, werden auch keine US-Präsidenten
Donnerstag, 24.07.2008
Obama-Tourismus unterbinden
Bleibt weg!
Nicht, weil er mir unsympathisch wäre, sondern weil er den Machtanspruch der USA untermauert: Wahlkampf allerorten, wie in Afghanistan und Israel, so in Berlin. Diese Reisefreudigkeit soll zeigen, was die USA wirklich meinen: Wir sind die Könige der Welt.
Barak Obama ist nur der mögliche Präsident der USA, aber er sollte keinen Wahlkampf in Deutschland machen dürfen. Die Merkel (ganz unterwürfige US-Kriecherin) empfing ihn bereits, stellt ihm schon jetzt ein tolles politisches Fitness-Attest aus, als spreche sie bereits von ihrem neuen Reigerungskollegen. Und sie wird auch an der Siegessäule sein. Sie weiß wie man sich zu (potentiellen) Siegern stellt. Das sollte die deutsche und Berliner Bevölkerung nicht mitmachen.
Der Witz: Obama wird vermutlich eine flammende, wortwitzige und vor allem den meisten dort Stehenden unverständliche Wahlkampfrede halten.
Welch eine Geisterveranstaltung: Da redet einer sich an irgend einem Mikrophon einen politischen Wolf und die Zuhörer könnten sich mit ihm nicht mal halbwegs übers Wetter unterhalten! Davon abgesehen darf niemand, der ihm heute Abend zuhört, auch nur ansatzweise wählen.
Warum dieser Hype um den Kandidaten-Dünnie? Wir haben nicht den Hauch einer Einflußnahme auf die US-Politik. Nicht wir als Wähler, noch unsere Regierung als Partner.
Wenn die Meinung der Bundesregierung (erinnere: Schröder-Nein zu Bush-Krieg) den Amis nicht paßt, wird sie schlicht ignoriert, und der Außenminister bekommt nicht einmal die Hand des präsidialen Aushilfsaktenträgers zu schütteln.
Aber nicht nur das: Was würden die meisten, die jetzt zu Bamba O'backe pilgern, sagen, wollte der ägyptische oder spanische Wahlkampf-Kandidat, der ukrainische oder Litauer Kandidat hier reden wollten? Sie würden die Schulter zucken und fragen "na, und?" Genau das wollte man sagen. "Na, und!" Solange er nicht Präsident ist, ist er unwichtig für uns.
Er ist nicht mal offiziell von seiner Partei als Präsi-Kandidat nominiert. Muß man sich mal vorstellen!
Als Präsident kann Obama noch immer die eine oder andere Rede in Berlin halten, da brauchen wir ihn nicht schon jetzt labern haben. Und wenn er, sein Konkurrent und die nachfolgenden Präsi-Kandidaten schon durchaus hier Reden halten wollen, dann fordere ich:
Wenn wir uns das antun sollen, müssen wir Euch auch wählen dürfen, ihr Knalltüten! Anderenfalls laßt uns ein Ruhe und überzeugt Eure Wähler zu Hause!
Der Streit "Brandenburger Tor oder nicht" war lächerlich. Die Frage ist grundsätzlicher. Wollen wir den Obamas oder den McCains, oder wie die ganzen Regierungsleute in Ami-Land heißen, zeigen, daß sie unser Land als ihr Einzugsgebiet betrachten können, vor dem sie Schaulaufen können, wie sie wollen? Nein!
Also bleibt weg, Freunde!
Laßt Obama reden, wo er will. Aber hört ihm nicht zu, vor allem: Stellt Euch nicht hin und macht nicht die Kulisse für ihn. Er ist einer der reichtsten Menschen in den USA und nicht erst vor Kurzen aus den Slums geflohen. Er weiß selber nicht, wie es ist, mit wenigen Dollars monatlich auskommen zu müssen.
Er ist vielleicht äußerlich ein "Schwarzer" (dummer Begriff, weil er überhaupt nicht zutrifft, noch irgend etwas über die Person aussagt), aber wie weit er wirklich "schwarze" Interessen vertritt (also auch die der untersten Army-Ränge, die meist noch von "seiner" Gruppe angehören).
Laßt ihn reden, was wer will, laßt ihn vor allem aber allein an der Siegessäule. Was auch immer er dort faselt: es ist erst einmal ohne Einfluß auf uns.
Sonst kommt in Zukunft jede/r Dahergelaufene hier her, die/der amerikanischer Präsident/in werden wollen. Und wir sollen den Klatschometer für sie abgeben... Aber das wollen wir doch nicht wirklich, oder?
Also: Laßt ihn Selbstgespräche führen -- allein!!!
Samstag, 12.07.2008
O Bama, die Baracks kommen!
Eine schmetternde Rede auf Englisch vor einer Menge, die ihn nicht versteht; sei es aus akustischen, sei es aus sprachlichen und vielleicht sogar aus intellektuellen Gründen.
Die CDU meint in Person ihres aufgeregten Generalsekrets, dass in deutsche Kanzlerkandidaten nicht auf die Idee kämen, im Ausland Wahlkampf machen zu wollen. Und Wowi, der Reiter für eine buntere Welt, hat zurecht den Kotau der Kanzlerkandidatin Merkel, seinerzeit bei unseren Amerikanischen Freunden, zitiert.
Wir erinnern uns: Sie reiste hin, wie das Weibchen der Paviangruppe und hielt dem Alphatierchen ihren mehr oder weniger geformten Unterboden hin, um die Außenpolitik, und damit den Kriegsboykott, des damaligen Kanzlers Schröder zu kritisieren.
(Dieser Boykott war übrigens einzig Richtige, was der Schröder in seinem viel zu langen Kanzlerleben zustande gebracht hat. Böse Zungen behaupten, selbst das sei ihm nicht selbst eingefallen. Aber das nur nebenbei.)
Aber der Bayern-Huber-Erwin und die Merkels Angela sind dagegen, weil der warme Wowi und Außenministerdarsteller Steinmeier, seines Zeichens vermutlich Unterlegener bei der nächten Kanzlerwahl, dafür sind.
Plausible Gründe gibt es für die schroffe Unions-Abwehr eigentlich nicht: Bonobono Ohama habe sich nicht um die deutsche Einheit verdient gemacht (Frage: wie denn auch??? Wer war damals entweder noch gar nicht in Planung, hat gerade seine Windeln gefüllt oder gerade an der Uni Mädels angebaggert), meinte der Huber. Brama O'Dingsda dürfe also nicht vor dem Symbol eben dieser deutschen Einheit reden.
Schmonzes. Haben sich Kohl, Schröder oder Merkel je um die Einheit Israels verdient gemacht? Nein. Okay, sie haben auch keine Juden ins KZ geschickt. Aber reicht das, um vor der Kneset sprechen zu dürfen? Mit den Huber-Maßstäben also eine völlig unangebrachte Symbolpolitik einer Aufregungspolitik, die sich um die wahren Probleme (zur Erinnerung: fliegende Preise, sinkende Löhne, wenig bezahlbarer Wohnraum und Millionen Arbeitslose und noch mehr 1-Euro-Jobber) nicht kümmern wollen oder können.
Ich glaube nicht, daß Onkel Toms Hütte (moderner: Barack Onkel Bama) amerikanischer Präsident wird. So schnell schießen die Preußen nicht. Und wenn, dann nur auf dunkelhäutige Ausländer, die vor dem Brandenburger Tor... Aber nehmen wir einmal an, er würde es: Dann hätte es sich die Union mit solch undiplomatischen Eskapaden gründlich mit dem angeblich mächtigsten Mann der Welt verschissen.
Und dann kommt die lustigste Meldung zu dem ganzen Kokolores: Bakra Mabamo hatte nie angefragt, also praktisch keine Abitionen darauf angemeldet, sich am Brunnen vor dem Tore zum Toren zu machen.
Aber was will man von einer schlampig arbeitenden Medien- und Aufregungs-Demokratie erwarten, als Diskussionen um des Kaisers Bart - oder um eine Rede, die nie gehalten werden sollte.
Terrorflüsterer
Genau, das ist die Reaktion wie sie landauf und landab zu hören ist. Bloß keine Schwäche zeigen. Und verhandeln schon gar nicht. Wir haben noch nie mit Terroristen verhandelt oder gesprochen - außer sie hießen President Bush, Ghadafi oder Saddam (eher in seinem Frühstadium, als er seinen Terror für "uns" einsetzte).
Aber wer sagt denn, dass der schleimige Steinmeyer nicht längst schon mit denen redet, oder die Merkel? Von Terror versteht die schon was. Wie die bei der EM auf der Tribüne gesessen oder gar gejubelt hat, das war der reine Psychokrieg für die gegnerische Mannschaft.
Dabei frage ich mich aber auch: was suchen da diese Berg-Penetrateure (Besteiger) in der Osttürkei, wo wir doch alle "kriminellen Ausländer" (auf vielfachen Wunsch CSU), möglichst mit Bleikugeln an den Füßen, dorthin abzuschieben, damit sie so schnell nicht mehr her kommen?
Also: bombardieren und plattmachen.
Sonst kommen die Terroristen alle hierher und schlagen am Ende noch unsere Rentner in der U-Bahn zusammen.
Okay, weil Krieg am Ende aber auch nicht sooo toll ist:
Sparen wir uns also die Bomben für was anderes auf und reden vielleicht doch den Terroristen. Mit der PKK, meine ich, nicht mit Bush.
Dienstag, 24.06.2008
Anti-Doping?
Vor allem aber wird morgen Torten Frings auflaufen. Vielleicht zur Hochform (also zum Gugelhupf).
Und was das jetzt mit der Überschrift (bitte noch mal nachlesen!) zu tun hat?
Nun, jeder, der sich mal eine Rippe gebrochen hat, weiß, daß man nicht schlafen, nicht gehen, nicht stehen, nicht furzen und nicht kacken kann, ohne einen Haufen (!) SCHMERZEN zu haben. Die ganze Existenz ist angefüllt von dem Verlangen nach Luft - schmerzfrei erworbener Luft. Nach einfach konsumierter Luft. Und vor allem nach:
Luft.
Und dann soll Torsten Frings (den ich als Spieler und vom TV-Anschein her sehr schätze) morgen im Halbfinale einer Europameisterschaft im Mittelfeld spielen? Rennen, laufen, rempeln schubsen; geschubst, gerempelt, getreten werden?
Wenn Frings das macht, möge mir jemand erklären, wie, wenn nicht mit einem Medikamenten-Cocktail, der jenseits alles Guten dosiert ist. Frings muß *high* sein bis in die Haarspitzen, um solch ein Spiel durchzuhalten ohne dauernd vor Schmerzen zu wimmern!
Und jetzt erkläre mir jemand den Unterschied dieses Zustandes und eines gepflegten Dopings - sagen wir bei der Tour de France. Denn nicht alle Mittel dort dienen dem Muskel- oder Blutzell-Aufbau sondern auch der Schmerzbekämpfung, wenn die Muskeln, wie man so schön sagt: brennen.
Ich selbst habe rund drei Wochen gejapst, nach einer gebrochenen Rippe, und dann vorsichtig wieder mit dem Training begonnen. Und beileibe jeden unnötigen Körperkontakt gemieden.
Wenn Frings tatsächlich spielen sollte, dann müssten sofort alle Alarmglocken der NADA (nationale Anti-Doping-Behörde) und der WADA (dessen weltweitem Pendant) schrillen und ggf. die deutsche Mannschaft wegen Dopings aus dem Wettbewerb genommen werden.
Außer: einer erklärt mir mal den Unterschied...
Dienstag, 17.06.2008
Religiöse Eiferei
Seine komischen Sakrileg- und Illuminati-Romanen, die hinten bis vorn nicht stimmen, Lokalitäten falsch beschreiben oder falsch zu einander in Relation setzen und die — anders als Ecco — reine Phantasie mit belastbaren Hypothesen verwechseln, sind eigentlich eine Schande für jedes Bücherregal. Aber er hat eben doch Erfolg, und die Leute scheinen dieses mystifrittierende Geschwiemel für gut zu halten. Da macht Hollywood doch gern mal einen Film draus. Wenn’s geht, an den (jetzt nicht lachen) »Originalschauplätzen«. Das ist bei Brown, dem alten Plagiator, ein Widerspruch in sich.
Originalschauplätze gibt's beim Foucault’schen Pendel von Ecco, wo ein Kreuz oder eine Rose auch da zu finden ist, wo er sie beschreibt. Wo man die Lichteinfälle direkt vom Blatt ablesen und vor Ort auch sehen kann. Wo sich eben keine Nischen befinden, wo er sie sich gerade mal für seine Geschichten wünscht, wie beim hundertfach widerlegten Brown.
Aber das ist fachliche Kritik. Mögen der Papst und seine ganzen Schwarzroben Brown auch noch theologisch widerlegen. Mag ihnen der Kram, den der da versiebt, auch nicht passen; aber was sie sich gerade leisten, darüber würde bei einem x-beliebigen (oder -unbeliebigen) Ayatollah jetzt ein Mordsgeschrei anheben:
Die Verfilmung der »Illuminati« wurde von höchster Vatikanischer Stelle für alle römischen Kirchen verboten. »Da reichte schon der Name Dan Brown«, meinte ein vatikanischer Oberhirte. Keine fachlichen Argumente; nur Verärgerung über den Verfasser (der nicht einmal den Film macht, keine Regie führt, und keine Rolle übernommen hat). Der hat weder Jesus als Kinderschänder geoutet noch Maria schwängern lassen oder Gott in Abrede gestellt...
Beim Verbot von Rushdies »Satanischen Versen« (hat die mal einer gelesen? Ein wundervoller, empfehlenswerter Roman über, fast sogar gegen, Religiosität überhaupt) durch die Mullahs haben alle getobt und gebebt. Bei der vorauseilenden Absetzung der stil-dummen Idomeneo-Oper (von Mozart, der aber mit den dümmlich-provokanten Regieeinfällen schlicht nichts zu tun hat) stand den Westkultur-Beflissenen und allen vorgeblichen (Meinungs-)Freiheitsliebenden der Schaum vor dem Mund — den sie sich noch vom »Mohammed-Karikaturenstreit« nicht abgewischt hatten.
Und jetzt verbietet der Papst, fast unbeachtet von der sonst so meinungsfreiheitlichen westlichen Öffentlichkeit, einfach die Verfilmung eines Romans in den historischen Kirchen in Rom, weil er der katholischen Kirche nicht in den Kram paßt.
Aber gut, die katholische Intoleranz ist natürlich viel weltoffener und freiheitlicher als die islamsiche. Das muß man einfach zugeben. Was der Papst darf, darf der Mullah noch lange nicht. Das war schon bei dem Streit um den kleinen albernen Zeichentrickfilm um den Papst so. Wir erinnern uns; die Älteren zumindest.
Unsere Intoleranz ist einfach westlicher, als die der anderen. Daher ist die der anderen rückschrittlich und mit unserem universellen Wertesystem und unserer Auffassung von Toleranz, Meinungs- und Redefreiheit nicht vereinbar.
Zumindest gibt es zu diesem Vorgang die eine oder andere kleine Agenturmeldung, oder auch der Spiegel bringt es. Aber sonst nichts. Hier donnert kein Politiker, hier poltert keine Kanzlerin, der Kabarettistenimitator Andreas Reber wird keinen Ziehharmonika-Akkord daran verschwenden und die Kommentare in der Tagesschau diesen Vorgang nicht brandmarken und dafür wettern, daß der Westen sich das nicht gefallen lassen dürfe, wie bei Idomeneo, den Mohammed-Karikaturen oder der Zerstörung von Kulturgütern in Afghanistan durch die Taliban geschehen.
Hier nimmt man die Bannbule des Papstes einfach hin, und der »Pop-Star« Ratz, der 16., (wo ist Rübe?) kann als Beispiel für die Jugend weitermachen wie bisher. Andreas Englisch wird weiterhin seine hündische »der Papst und ich«-Kollumne, »aus den Memoiren eines verpappt plapperndenen Papisten«, schreiben und Andreas Rebers sich weiterhin »kabarettistisch« über unsere beispielgebenden Lebensstil und Meinungsfreiheit freuen.
Mir fällt gerade auf: Warum tragen eigentlich meist Idioten diesen mehr als dämlichen Vornamen? Der abgewichste Odenthal-Italo-Macho-Blödi heißt im wahren Leben, also wenn ihn die Tatort-Regie in den Schrank zurück gehängt hat, glaube ich auch so. Kein vernünftiger Mensch heißt Andreas. Nicht einmal der Apostel gleichen Namens hat ein anerkanntes Evangelium zustande gebracht. Vermutlich ist er nur überall dabei gewesen, hat versucht, auf’s Foto zu kommen, wenn Jesus wieder eine seiner berühmten Pressekonferenzen gab, und hat ansonsten nicht allzu viel von dem mitbekommen, oder falsch verstanden, was der Guru da von sich gegeben hat. (Notiz: Es bräuchte mal positive Beispiele... Suche könnte peinlich werden, vielleicht gibt’s keine.)
Zurück zum Thema: manchmal bin ich eben doch stur, warte:
Auf die Empörung in der Öffentlichkeit, über den Päpstlichen Bannstrahl gegen einen Film, der eben eine Meinung widergibt. Ich warte auf die Kommentare in Radio- und Fernsehnachrichten, auf wutschäumende liberale Politiker-Statements, die sich gegen eine solche Kulturbeschneidung und Indolenz verwahren. Ich warte auf Leute, die für die Freiheit der Meinung, und das Recht, diese zu verfilmen, auf die Straße gehen.
Aber all das wird nicht geschehen. Denn der Papst, das ist unser Mullah. Zumal er aus Deutschland kommt, dem Land der seit 70 Jahren garantierten völligen Meinungsfreiheit.
P.S.:
Natürlich wäre Hollywood nicht Hollywood, wenn es irgendwelche Papstverbote aus dem »alten Europa« (unsern täglichen G.W.B. gib uns heute) ernstnähme. Die entsprechenden Kirchenhallen und -räume werden in den Tristar-Studios eben nachgebaut. Da kann auch der Ratz nichts dagegen unternehmen - außer vielleicht seine Schweizer Garde für Anschläge auszuschicken oder sämtliche an diesem Brown-Film beteiligten zu exkommunizieren.
P.P.S.:
Mir sind doch tatsächlich nur zwei positive Andreas-Beispiele eingefallen: Andreas Eschbach mit seinem »Jesus-Video« und den anderen schwerlastigen aber spannenden Romanen. Und der Elektroautobastler vom Frankfurter Berg. Die Ehre der Andrease ist damit für’s Erste gerettet.
Große Gefühle nach dem Ösi-Spiel
Der Ballack hat sein Tor gemacht (und was für eins, jubeln die Genießer derzeitiger deutscher »Spielkultur«). Und unser Jogi ist auf die Tribüne zur Kanzlerin geschickt worden. Auch Minister für geldwerte Versorgung der Abgeordneten Steinbrück war da und der Steinmeier, unser Außenminister ja auch. Sage doch einer, Sport sei unpolitisch.
Und der Jogi durfte den allen erklären, was die Coaching-Zone ist, die er verlassen hat, und wegen der er jetzt eben oben sitzen muß, als hätte er irgendwen mit der Blutgrätsche umgesäbelt. Vergessen wird in unserer Siegestrunkenheit nur »über Österreich« (also doch nicht »über alles auf der Welt«), daß ein Trainer sich nicht vom Platz stellen lassen sollte, daß er einfach keinem Spieler (wie dem Schweinsbesteiger) noch irgendwas von Benehmen erzählen kann, wenn der Schiedsrichter ihn Heim zum Mama (unserer regierenden Riesenorange) schicken muß.
Wer übrigens bisher Zweifel hatte, daß in Berlin überhaupt noch regiert wird, konnte das in Wien direkt beobachten. Die Kanzlerin ließ sich von Jogi gruppendynamische Prozesse erklären, während Steinbrück nicht gleich im Anschluß ans Spiel an seine Aktenberge stürmte, sondern sich bei Waldemar »Waldi« Hartmann (Rudi Völler: »Ich kann so’n Scheiß nicht mehr hören!«) noch zu fußballtechnischen Plattheiten herniederließ.
Ach, ja, der Waldi (so heißen doch sonst nur Dackel, oder?): Wollte er doch so gern mal die Verona Ferres ohne Hemdchen sehen und sich dafür extra das »Originaltrikot von Ballack« (das ist der mit dem Tor im Trauerspiel gegen Österreich) gekobert. Und die Veronika sollte es gern haben, wenn sie einem Trikot-Tausch zustimme. Der Geifer lief Hartmann (nomen est omen?) schon die Mundwinkel hinunter und tropfte auf die Krawatte (welche eine Symbolik, ich weiß!). Und die Vroni, ganz Schauspielerin und konservative Aktreuse, wollte erst das Ballack-Hemd nicht annehmen, weil sie, wie Hartmann glaubte, sich sonst gleich im Studio ausziehen zu müssen. »Es ist ja schon nach 23 Uhr«, meinte der dann, als Vroni dann wengistens ihre Kostümjacke auszog, um Ballacks Trikot über ihr T-Shirt zu ziehen (welch erotisches Knistern im Studio, Vroni nur im T-Shirt! Wer hätte das gedacht? Waldis Viagrapumpe setzte für einen Moment aus...) Und ich schaltete ab.
Mittwoch, 11.06.2008
Gefühlter Respekt
National ist klar: Wir hängen unser Fähnchen in den Wind, freuen uns, daß unsere Kicker das Beste sind, wo wir uns vorstellen können, finden uns toll und die anderen scheiße...
Tolerant: Wir akzeptieren Lukas Podolskis doppelte Staatsbürgerschaft (aber natürlich nicht die von Halil Altintop, der ist nämlich Türke und spielt auch noch für die).
Dafür lachen wir uns unter Souffleusement unseres Intelligenzblattes mit den großen Buchstaben darüber schlapp, daß "die Polen" (das ist eigentlich nur ein durchgeknallter Rechter) dem "Poldi" (der ja eigentlich "uns" gehört, weil der "unsere" Tore schießt), die polnische Staatsbürgerschaft entziehen möchte. (Würden wir natürlich nie machen, einem die Staatsbürgerschaft entziehen! Wurde die ganzen letzten Jahre auch nie praktiziert oder überhaupt diskutiert...)
Ist das nicht lächerlich von "den Polen"? Sollen die doch mal froh sein, daß es einer bis zur deutschen Staatsbürgerschaft rauf geschafft hat. Das ist mehr als ein polnischer Doktortitel!
Und dann werden wir auch in aller Toleranz auch noch rücksichtsvoll. Habt Ihr gemerkt, wie dezent bis gar nicht der Poldi über seine Tore gejubelt hat, der gute Junge???
Das war "Respekt" vor seinen Landsleuten. Deswegen hat er fast schon geweint, als hätte ihm jemand das Herz herausgerissen und roh vor seinen Augen aufgegessen. -- Das machen manche Eltern auch so: erst eine Tracht Prügel, dann schnell Pippi ins Auge und sagen: "Im Grunde liebe ich dich. Mama/Papa schlägt dich, weil sie/er dich so lieb hat!" Krokodilstränen, finde ich. Andere nennen das "Respekt".
Aber dem guten Poldi, "unserem" Polen, sieht man das nach. Das nennt man (jetzt auch für die Letzten, die da nicht mitkommen) FEINGEFÜHL, ihr Idioten! Habt Ihr denn keine Kinderstube im Leib?
Der Poldi hat nicht gejubelt, weil er so viel Respekt hat, vor seinem Heimatland. ("Bedeutet lauter Jubel also im Umkehrschluß, daß man keinen Respekt hat, vor den Gegnern und ihren Ländern?" - "Defaitist! Geh' doch nach drüben, wenn's Dir nicht gefällt!")
Dieser Trauerflor im Jubel zeigt: Im Grunde ist der Poldi also nicht integrierbar, wie der Owomaltine... der Mujela, der eine Spieler, Ihr wißt schon: der sich seit Jahren beharrlich weigert, weiß zu werden. Der würde aus Respekt vor seinem Heimatland vielleicht sogar ein Eigentor schießen, wenn wir ihn ließen. Deswegen ist er ja auch bei der Euro nicht dabei. Kurani schon, aber der muß ja auch nicht gegen sein Heimatland spielen und sich so verdrehen.
Aber zumindest zeigt unser Pole, was wir doch für Prachtexemplare sind. Und im Spiel gegen Kroatien und erstrecht gegen Österreich (was ja im Großdeutschen gesehen zu unserer Heimat zählt) werden wir viele Tore schießen und bei jedem ein Gesicht machen, als wäre gerade unsere Lieblingstante gestorben. Oder die Katze oder der Kanarienvogel.
Aber auf keinen Fall Jubeln. Das wäre respektlos. Hat der Poldi gesagt.
Sonntag, 13.01.2008
Wahlkampf ist ungesund...
von Barak Obama...
spüren. Denn nach New Hampshire ereilte sie was auch immer, und die Zeitungen titelten "Hillary ist tot."
Das wird Wild Bill Clinton ("ich war drin, habe aber nicht...") freuen, auch wenn ihm das Oral Office nicht mehr zur Verfügung steht, aber sicher hat er noch ein eine oder andere Praktikantin auf der Pfanne, die er gleich man da hinein hauen kann.
Leider musste er nur wenige Tunten später feststellen, dass Hillary ein altersschwacher Gipfelstürmer war, der den größten Höhepunkt in seinem Leben längst hinter sich gebracht hatte, und nicht die eigene Frau.
Da möchte man sagen: "Kopf hoch, Bill, das Ganze hat doch auch sein Gutest. Bald könntest Du dich um die Praktikantin von Mrs. President kümmern." Aber dann benutze die Lümmeltüten, das vermeidet Flecken.
Ja...
Und Bush soll nochmal antreten wollen. Als ihm die anderen sagten, dass er aber jetzt schon seine zweite Amtszeit sei, meinte er entschuldigend, daß er so schnell nicht habe mitzählen können.
Seine dritte Amtszeit strebt auch Roland "the Sheriff" Koch an und lässt sich dabei von seiner Frau Anke verteidigen. Die jammert in einer großen Boulevardzeitung, ihr Mann habe doch nur seinen Job gemacht und gesagt, was Millionen Menschen dächten.
Frau Koch, jetzt sage ich Ihnen auch mal, was Millionen Menschen denken: "Wählt diesen rassistisch-populistischen Demagogen endlich ab und schickt ihn ins Jugendcamp! Nicht als Trainer, sondern als renitenten Ungezogenen." Denn es ist wahr, dass er Schwarze liebt, glaube ich gern.
Aber dass es da nicht zu Verwechslungen kommt: Roland "die Superlippe" Koch liebt schwarze Koffer (vermutlich aus italienischer Produktion; Offenbacher Leder nimmt der sicher nicht). Wären alle Asylbewerber bis zum Hals voll mit 500-Euro-Scheinen aus jüdischen Vermächtnissen, Koch würde sie persönlich nach Hessen einschleusen.
Also kann er gar kein Ausländerfeind oder Rassist sein, denn er hätte nichts gegen Ausländer, die ihn noch reicher machen.
Und wenn er jetzt über diese Zeilen sauer sein sollte, zitiere ich ein weitblickendes Minuskelpräservativ: "Wer in Deutschland lebt, sollte die Fäuste unten behalten."
Freitag, 11.01.2008
Wahlkampf mit jugendlicher Gewalt
Hier nur ein paar kleine Anmerkungen dazu.
- Warum wird gerade in diesem ersten "Ausländer prügeln Deutsche"-Fall immer nur über den Türken gesprochen, nie aber über den genauso beteiligten Griechen??? Weil er in der EU ist und nicht abgeschoben werden kann?
- Warum wird nicht darüber gesprochen, daß diese Kerle so geworden sind, weil sie hier zu dem wurden, was sie sind (nämlich weitgehend chancenlos auf dem Lehrstellen- und Arbeitsmarkt und auch sonst eher ausgegrenzt), und nicht woanders?
- Warum fragt man sich nicht nur, warum diese Schläger so brutal wurden, sondern auch, warum über 98 Prozent der "ausländischen (immer gemeint: türkische, moslimische, arabische, rumänische, schwarze - ist eh dasselbe) Machos" es nicht sind?
- Warum wird die Gewalt von Neonazis gegenüber Behinderten, Obdachlosen und Rentnern (gab's alles in den letzten Jahren) nicht ebenso vehement thematisiert?
- Warum wird Koch nicht bei jedem seiner Interviews gefragt, warum er sich nie zu Nazis äußert, außer in routinierten Pflicht-Statements, in denen er gleich auch "der Linken" (gewalttätig???) eins mitgibt?
- Warum hat sich die Koch-CDU noch nie über prügelnde Nazis in diesem Land aufgeregt, die Andersfarbige oder Menschen mit anderer sexueller Ausrichtung niedertreten? (Treten Nazis ihren am Boden liegenden Opfern anstandshalber nie gegen den Kopf?) Weil es eh nur Neger, Inder, Schwule und Schauspieler waren, die es betraf?
- Also: Warum regt man sich über diese "ausländischen" (eigentlich deutschen) U-Bahn-Schläger auf, diskutiert aber nicht die anderen (von deutschen Jugendlichen) verübten Prügeleien mit derselben Vehemenz?
- Und warum regt man sich nicht mit derselben Empörung über Manager auf, die Arbeits- und Lehrstellen streigen und für ihr wirtschaftliches Versagen dann noch siebenstellige Abfindungen nach Hause bringen?
Im Grunde wäre alles einfach: Man bestraft diese Jugendlichen angemessen (also: ohne Abschiebung; denn diese deutsche Gesellschaft und nicht die der Herkunftsländer ihrer Eltern und Großeltern haben sie zu dem gemacht, was sie jetzt sind) und baut die Prävention aus.
Aber die CDU ist, einem Fußballverein nicht unähnlich, eigentlich nur "auf die Punkte" aus. Egal, woher sie kommen. - Das Ulli Hoeness-Prinzip: Wenn ich dem anderen schade, nützt es mir wahrscheinlich.
An konstruktiver politischer Diskussion sind weder Koch noch Beckstein wirklich interessiert. Sonst würden sie sich fragen, ob die ihnen widersprechenden Kriminologen und Pädagogen nicht doch Recht haben, die sich schon Jahrzehnte mit gewalttätigen Jugendlichen befassen.
Aber wie gesagt, es geht nur um die Punkte bei möglichst verängstigten Wähler, nicht um Integration, nicht um ein gemeinschaftliches Miteinander, nicht um vernünftige Politik.
Montag, 26.11.2007
Übertriebener Hype bald zuende?
Genug der Kalauer. Sie ist und bleibt eine der besten Fernsehjournalistinnen und wenn ich sie sonntagabends sehe, dann weiß ich, dass die ARD sie schon lange gegen Christiansen hätte austauschen müssen.
Ansonsten lassen wir sie in Ruhe. Frei nach dem Tucholsky-Wort machen wir nur Berichte über der Tischkante. Das wird die Zeitung, die mal gehörtig was auf ihre vier Buchstaben bekommen sollte, nicht stören, aber wir halten uns daran. Und freuen uns, dass der übertriebene Hype um die Sexualität einer kompetenten Journalistin hoffentlich bald ein Ende findet.
Donnerstag, 18.10.2007
Dejagah und der Fußball-Zentralrat
Mich würde interessieren ob der offenbar fußballbegeisterte Zentralrat nach dem gestrigen Spiel gegen Tschechien meint, daß man diese Leute, die da auf dem Rasen standen und dem tschechischen Team bei der Arbeit zusahen, nie wieder für Deutschland spielen lassen solle?
Inzwischen ist der Junge ja bundesweit bekannt. Man könne »Glückwunsch« sagen, aber wofür er bekannt wurde, ist kein Ruhmesblatt — für all jene, die sich so voreilig aufgeregt haben. Was hatte der 21-Jährige verbrochen?
Er hatte als U21-Spieler nur den Bundestrainer Dieter Eilts gebeten, ihn nicht für das Spiel gegen Israel zu berücksichtigen. Nun, ich finde es zwar einen Luxus, als ehrgeiziger und begeisterter Jung-Nationaler darum zu bitten, nicht mitspielen zu müssen, aber okay, »der wird seine Gründe haben«, dachte ich mir.
Der Zentralrat der Juden in Deutschland, der seit jeher die Schicksale und Belange der deutschen Fußball-Nationalmannschaft im Auge und die Mannschaftsaufstellung bis hinunter zur A-Jugend mitbestimmt hatte, heulte gleich auf: »Antisemitismus! Dejagah darf nie wieder für Deutschland spielen!«
Übrigens: Dieter Eilts machte seinem Namen in diesem Fall glücklicherweise keine »Ehre« und fand erstmal: »Immer mit der Ruhe!« Ähnlich wie sein Chef der oberste Fußballer Zwanziger, der instinktiv eigentlich gut reagierte (»Werden ihn uns erst mal anhören.«), ehe er dann aufgrund der Aufregung leider zunächst einknickte.
Wo war denn der Zentralrat, als Lothar Matthäus einen holländischen Autogrammjäger nach einem Länderspiel mit »euch hat der Hitler auch vergessen« zufauchte? Da hat man nichts von diesen ehrenwerten Damen und Herren gehört. Und das war nicht Matthäus' einziger »Ausfall«. Forderte da jemals der Zentralrat einen Ausschluss? Ich habe den entsprechenden Protest zumindest nicht gehört.
Aber klar: Dejagah ist ja Deutsch-Iraner. Und jetzt bekommt das Ganze schon einen anderen Schwung: Ein Farbiger oder ein »Iraner mit deutschem Paß« darf natürlich weniger Antisemit oder Rassist sein als ein Weißer (besagter Matthäus). Okay, ich habe auch keinen sofortigen Protest des Zentralrats gehört, als zuletzt dieser zu vernachlässigende Schwarze, da, im Osten, (Siewissenschon) der Abends besser nicht auf den Bus gewartet hätte... von nicht-nationalen absolut nicht rassistischen Jugendlichen, die unglücklicherweise alkoholisiert waren, zusammengeschlagen wurde. Eine Woche später bequemte man sich beim Zentralrat zu einem halbherzigen »Du! Du!« Wäre ein offensichtlicher Jude von diesen Nichtnationalenauch nur schief angeschaut worden, da hätte es aber sofort Proteste gehagelt, daß denen die Baseballschläger noch nachträglich aus der Hand gefallen wären. Aber... War halt nur ein Neger, nicht so wichtig. Da kann man eine Woche warten, und sich dazu äußern, wenn mal nichts Gutes im Fernsehen kommt.
Wenn aber so ein »Araber« nicht gegen Israel spielen möchte, weil er seine im Iran lebende Familie nicht durch sein Spiel gefährden möchte, dann hagelt es Proteste des Zentralrats und einiger dümmlicher Bundestagsabgeordneter, noch ehe die den Namen des »Frevlers« überhaupt richtig aussprechen können. Und ehe sie überhaupt die Hintergründe wurden ohnehin über eine Woche lang ignoriert. Selbst die ARD veröffentlichte vor ihrer ersten Recherche. Dabei hätten die entsprechenden Journalisten nur mal auf dem hervorragenden »www.bildblog.de« nachschauen müssen. Dort stand schon alles, als Antwort auf einen nicht weniger hanebüchenen Bild-Artikel.
Auf meine Mail hin wurde mir in freundlichen gesetzten Worten mitgeteilt, daß man den Bildblog kenne, dessen Infos aber nicht genutzt habe, da man ja fundiert und neutral berichten wolle. Was ist bei dieser medienübergreifend nationalistischen Aufrüstung »neutral«? Und ich unterstelle auch dem Zentralrat in diesem Fall Nationalismus der übelsten Sorte. Mich wundert, daß er noch nicht gemosert hat, weil noch kein einziger Jude in der Nationalmannschaft steht! Das muß doch antisemitisch begründet sein...
Da ist ein 21-Jähriger Fußballer. Was wollt ihr von ihm? Daß er politische Seminare besucht hat? »Nein!« Daß er jedes seiner Worte wägt, seine Anwälte konsultiert Jura, Geschichte und Medienwissenschaften studiert oder einen Pressesprecher engagiert, den Zentralrat fragt, sämtliche Mitglieder des Bundestages und das Bundesverfassungsgericht, damit er kein unbedachtes Wort in der Öffentlichkeit äußert (wohlbemerkt nicht live bei Kerner wie die braune Eva)? »Nein!« Was wollt Ihr dann? »Daß er in der Nationalmannschaft guten Fußball spielt.«
Der Junge war dumm, klar: er hätte einfach eine Verletzung vortäuschen brauchen, dann wäre der ganze Klumbatsch nicht gewesen. Er war dumm und ehrlich. Und er wollte seine Familie schützen. Nach allem, was unsere Verfassung hergibt, ist das kein schlechter Grund, mal ein Länderspiel ausfallen zu lassen.
Dejagah war für diesmal dumm, ja. Aber wie könnte ein Deutscher National-Spieler jemals antisemitisch eingestellt sein???? Außer er hieße Matthäus, vielleicht. Aber dem hat man ja jede Schwachheit verziehen. Er hat ja auch keine iranische Verwandtschaft.
Eva Herman allein zu Haus
Eva Herman, mittlerweile auch »Eva Braun« oder die die Jean D'Arc des Mutterkreuzes (Schreinemakers: »Eva, wofür reitest du?«) genannt oder gedacht. Letzte Woche flog sie im hohen Bogen aus der Sendung von Johannes B. Kerner.... Nachdem sie länger geredet hatte, als die Sendung eigentlich lang gewesen wäre. Nach über 50 Minuten kann man meiner Meinung nach nicht mehr von einem »Rauswurf« sprachen.
Nachdem ich die Nachricht über den BTX gelesen hatte, fand ich im Netz die Aufzeichnung des ZDF und muß sagen: Sterbenslangweilig, da man ihr nicht gleich den Mund verbat. Der Historiker, politisch redlich, sogar um Ausgleich bemüht, mußte sich von Mutterkreuzzüglerin sogar noch abbürsten lassen »Mit Ihnen rede ich nicht mehr!« Sagte eine gestandene TV-Moderatorin zu einem Gast...
Die zentrale Frage bleibt natürlich: Warum hat Kerner die überhaupt eingeladen? Und warum mußten erst Senta Berger (würg!), Margarete Schreinemakers (würg! würg!) und Mario Barths (brech!) den vernünftigen Part übernehmen, ehe der Hermans, die auf ihrer Karriereleiter ein »r« und ein »n« im Namen verloren hat, die Tür gewiesen wurde?
Das war alles Quotenzirkus.
Da halfen auch die »goldenen Brücken« nicht, die Kerner seiner Kollegin bauen wollte. Und auch nicht, daß der Gutmensch aus Mainz noch auf deren mediale Reflexe hoffte. »Ist es dir nicht peinlich, daß du auf den Internetseiten der NPD gefeiert wirst?« Sie darauf hin sinngemäß: Soll man auf ein Wort verzichten, nur, weil es von der falschen Seite Applaus hagelt?
Außerdem leidet sie an der neudeutsch-konservativen Krankheit: Man darf auf keinen Fall zugeben, sich geirrt oder falsch ausgedrückt zu haben. Vergl. Bischof Mixa (kath. Experte für Gebärmaschinen), Kardinal Meisner (Kirchenfensterstürmer und exzellenter Kenner entarteter Kunst), Papst Benny XVI. (hervorragender Islamexeget und vorurteilsfreier -kenner: »Was hat uns der Islam gebracht? Nur schlechtes!«) und Ministerpräsident Öttinger (sinngemäß »Filbinger war ein aufopferungsvoller Kämpfer gegen den Nationalsozialismus«.)
Sie alle wurden mißverstanden und ihre Sätze aus dem Zusammenhang (welchen Sinns auch immer) gerissen. Diese neodeutsche Krankheit heißt: Beratungsresistenz und Rechthaberei. Verhungern auf dem eigenen Standpunkt. Wie bei dem Geisterfahrer, der im Radio die Polizeimeldung hört: »Auf der A5 kommt Ihnen ein Falschfahrer entgegen.« Und er: »Einer? Hunderte!!!«
Warum also nicht unsere braune Eva? Aber dem Geisterfahrer schickt niemand eine Mail: »Nur weiter so!« Das ist der Unterschied.
Ich weiß, was hier steht, war wieder verkürzt und aus dem Zusammenhang gerissen, Frau Herrmann (so heißt sie wirklich). Aber so funktioniert Journalismus nunmal. Wenn man immer den kompletten Zusammenhang bringen will, ist die Zeitung voll oder die Sendung überzogen. — Sollten Sie das bisher nicht gewußt haben, empfehle ich Ihnen ein Praktikum bei der Wetterauer Zeitung.
Dienstag, 04.09.2007
Der alte Mann brummt noch mehr...
Kennt ihr den knarzigen Opa? Den hat doch jede Familie gehabt. Den, der in der Ecke sitzt, mit dem Kopf wackelt und von der Welt allenfalls noch seinen Garten sieht? Genau den meine ich. Aber die meisten Opas bekommen ein bißchen Atemnot, Durchfall oder Inkontinenz, aber keine Sprechblasenschwäche bei laufendem Mikrophon.
Denn diesem einsamen Mann fällt ein Ersatz zum Papstsein ein: Stammtischparolen!
Da sind doch diese schlimmen Moscheen! Und er war zwar selbst verfolgter Jude und Holocaust-Überlebender und entkam den Nazis. Aber irgendwie will er in Deutschland auch mal »dabei« sein, und nicht nur immer außen vor. Als Verfolgter, als Jude, als Giordano. Hochgelobt aber ungelesen.
Da schafft ein Bannwort gegen »den Islam« doch mal echte Erleichterung. Das hilft, um nicht also dauernder, rückwärtsgewandter Miesepeter dazustehen. Ja, das ist mal ein neues Gefühl: wenn man endlich mal »Doitschen Volkes Meinung« bedienen kann.
Er meint, die Moschee in Köln-Ehrenfeld sei »kein Ausdruck muslimischen Integrationswillens, sondern ein Zentrum integrationsfeindlicher Identitätsbewahrung und Symbol eines Angriffs auf unsere demokratische Lebensform«. Ein Hoch der deutschen Leitkultur. Fallerah! Will Giordano jetzt auch mal stolz sein dürfen, Deutscher zu sein?
Das sagt einer, der es besser wissen müsste. Der selbst wissen müsste, wie die Mehrheitsbevölkerung mit Menschen »falschen Glaubens« umgehen kann, gerade in Deutschland. Und dass es den Juden nicht geholfen hat, sich praktisch unsichtbar zu integrieren/zu assimilieren. Wie soll das erst den zugewanderten Muslimen gelingen, die meist noch »dunklere Hautfarbe« haben?
Den assimilierten Juden nähte man hier den Davidstern auf. Den Mosliminnen reißt man das Kopftuch herunter. So definiert sich das deutsche Volk. (Ich übernehme hier ausdrücklich Giordanos Pauschalisierungslinie.) Ich warte noch darauf, dass bald farbigen Männern das Barttragen verboten wird, weil Vollbärte angeblich auch dem Integrationswillen zuwiderlaufen.
Aber Opa Giordano gnarzt noch weiter:
Für ihn ist nicht die Moschee das Problem, sondern der Islam an sich. Und damit nicht genug: »Es sind nicht nur die fanatischen Islamisten«, haßpredigt er in »ttt« (ARD), »es sind die Moslems insgesamt«. Kommt nach der »jüdischen Weltverschwörung« nun die islamische, Herr Giordano?
Wie einfach mit 84 Jahren das Weltbild doch werden kann. Derselbe Sprecher würde sich aber (zurecht) gegen den sehr ählnichen Satz »Die Juden sind unser Unglück« wehren. Wie schade: Mit solchen Äußerungen ist Giordano direkt ins Bett seiner frühren Verfolger gesprungen.
Wer hat ihm denn da wieder mal nicht das Mikro entzogen? Wurde er von einem zwischendurch sms-enden ARD-Praktikanten interviewt? Ist die Cutterin taub? Der Regisseur zugedröhnt, dass jemand sowas über den Sender plärren darf? Auch wenn er Giordano heißt und nur mehr der geistige Schatten seiner selbst ist?
Der Mann war doch wirklich mal ein brillanter Kopf, liebe Kinder! Eine Respektperson, auf die man sich ebenso verlassen konnte, wie auf Lenz, Grass oder Böll. Aber davon zehrt der alte Mann jetzt nur noch, und leidet an seiner geistigen Inkontinenz. (Zumindest leiden die Zuhörer. Wei bei dem Opa, den ja jede Familie hat.)
Und hinterher kommt die kleine - in konservativen Kreisen sehr beliebte - Entschuldigung: »Ich bin kein Türkenschreck, ich bin kein Antimuslim-Guru, ich habe nicht zum Bürgerkrieg aufgerufen, ich habe nur den Finger in die Wunde gelegt, die offenbar da geklafft hat.«
- Genau wie Herr Öttinger, muss man sagen, der ja auch am Ende nur mißverstanden wurde, mit Filbinger, dem Widerstandskämpfer im Dritten Reich... Ja, so ähnlich sind sich dann doch die Argumente... Das Wurmloch des Missverständnisses ist klein.
Das war kein Finger in der Wunde, Herr Giordano, sondern im linken Auge. Auf dem rechten scheinen Sie ja noch gut zu sehen. Gratuliere.
Giordano predigt aus dem Ohrensessel Intoleranz. Warum hat er nicht gegen die übergroße Synagoge in Berlin protestiert, oder sich nicht mit der Kraft der zwei Herzen über das Scientology-Zentrum gewandt?
Denn so, wie er sich nun hingegen zum Islam und der Moschee in Köln-Ehrenfeld äußert, finde ich als Agnostiker, ruft er zu totalitärem und unversöhnlichem Denken auf, und damit sehr wohl zum Bürgerkrieg. So werden ihn nämlich die Nazis und rechten Schläger gern verstehen. Und sie werden seine Worte als Rechtfertigung für seine Handlungen heranziehen.
Die angeblichen Morddrohungen gegen Giordano sind natürlich absolut und mit aller Konsequenz abzulehnen. Gewalt ist kein politisches Mittel, sie führt zu nichts und man muß ihr mit aller Entschiedenheit entgegentreten und sich in diesem Punkt vor Giordano stellen.
Allerdings glaube ich das Märchen von der Morddrohung nicht, weil es sich für »einen streitbaren Menschen« immer gut als »Beweis« macht, von sich zu behaupten, man sei (möglicherweise von jemand mit arabischem Akzent usw.) mit dem Tode bedroht worden...
Er wäre halt gern auf seine alten Tage noch ein Märthyrer für Volk und Vaterland geworden. - Oder aushilfesweise Papst, dann würden sie ihn lieben, egal, was er da verzapft. So aber...
Man soll ja das Alter ehren. Das lernt man auch in »den Lehren des Korans (... dem) ’Rechtsystem’einer antiken Hirtenkultur« (lt. Giordno), die dieser verwirft, als Intellektueller aber auch aus dem jüdischen wie christlichen Glaubensgrundsatz her kennen sollte.
Aber aus Ehrung des Alters muss man sich auch in einem anderen Punkt schützend vor ihn stellen: Setzt ihn nicht diesem grellen Kameralicht aus und nehmt ihm endlich das Mikro weg, ehe er noch mehr Mist redet.
In seinem Alter, nach diesem langen, ereignisreichen und weitestgehend verdienstvollen Leben hat er einfach Ruhe verdient. Und wir auch.
Freitag, 31.08.2007
Schäubles Amok
* GV: Geht vorbei...
Warum hindert ihn "des Angela" net, zu passenden Gelegenheiten mal die Klappe zu halten? Seine Einwürfe zum Hochsicherheitsstaat, die Stammheim-AG, waren vollkommen überflüssig. Ausser sie sollen die Große Koalition sprengen und die CDU in die Opposition treiben (denn alle anderen Parteien haben sich längst gegen die totale Überwachung gestellt).
Tom Waits hat einen schönen Soundtrack zu Schäubles Politik gemacht: "What is he doing in there? - We got the right to know!" raunt eine unterirdisch spießige Stimme in einem ehrenwerten Haus Schäuble.
Ich habe einen Traum:
Zieht Schäuble aus, bis aufs Hemd und macht einen gläserenen Menschen aus ihm.
Wir wollen wissen, was er tut, wir wollen wissen, was er vorhat, und
seine sexuellen Vorlieben (er hat Glück: sein Parteifreund Koch will ab jetzt Homosexuelle nicht mehr diskriminieren, da wird er wohl bei älteren bösartig verbitterten Ministern nicht Halt machen, mit seiner landesväterlichen Güte) vor allem wollen wir wissen, was er für solch hanebüchene Vorschläge
verdient, von wem er sich dafür bestechen lässt (von der Überwachungs-Industrie? Von Wach- und Schließgesellschaften?) und wie hoch seine Pensionsansprüche als Politik- und
Anti-Terror-Veteran sind.
Und dann, wenn er diese Tortour überlebt, stopfen wir ihn wieder voll, mit all unseren Daten, bis er platzt und seine Computer und Abteilungen von einem Jahrhunderthochwasser der Informationen davongespült werden.
Arbeiten wir also an unseren Träumen, sonst haben wir bald nichts mehr zu lachen!!!
Freitag, 06.07.2007
Samstag 7.7. Demo gegen Nazis
Vergesst nicht, Euch zu erkundigen, wo Ihr morgen,
Samstag, 7. Juni in Frankfurt
gegen Nazisdemonstrieren
könnt!
"Meint der mich?"
"Ja, DICH!"
Um gegen Nazis zu sein, müsst Ihr nicht "ausländisch" aussehen, nicht
schwul, lesbisch, behindert, links oder alt sein. Es reicht, wenn Ihr
Euch sagt: "Ich möchte in einem
demokratischen Land leben, in dem die Menschen tolerant und in
gegenseitiger Neugier und Freundschaft mit einander umgehen."
Alles andere ist mehr oder weniger zweitrangig. Also, geht zur Demo und
bringt viele Freunde mit. Wenn die RECHTEN sehen, dass sie in Frankfurt
einfach keinen Boden haben und auch nicht bekommen werden, werden sich
sich verziehen.
Und wenn sie das überall erleben, werden sich vielleicht die einen oder
anderen von denen sagen, ob das, was sie da vertreten, nicht
gesellschaftsfähig ist. Das wird sie nicht überzeugen, aber sie werden
dann vielleicht weniger frech agiern.
Mit besten Grüßen
Nicéfore
Dienstag, 03.07.2007
Von Holschuld und Bringschuldigern
Da poltert ein wohlunüberlegter Neologismus auf die erstaunte Bevölkerung zu: Der mündige Bürger habe eine Hol-Schuld. In Anlehnung an die Bringschuld, die ich dem genehmen Politiker unterstelle. Denn er will gewählt werden, ich aber unter Umständen nicht wählen.
Die Bürger müssten sich die Informationen Holen, die sie haben wollten, sagt dieser eloquente Herr freundlich. Denn er weiß ja, wenn ich nicht wählen gehe, dann kann ihm das gerade mal egal sein.
Aber das Holen ist gar nicht so leicht, antworte ich ihm. Und wenn man den Flächennutzungsplan eines Gebietes wie Frankfurt/M. lesen will, zu einem bestimmten, aber nich allzu kleinen Grundstück, dann merkt der Bürger eins:
Selbst wenn es diese Holschuld gäbe: Die macher wollen gar nicht, dass sie verstanden, unddaß die Information geholt und genutzt wird, von den Bürgern. Denn die Akten sind so unverständlich und undurchsichtig: das muss schon Absicht sein.
Also bleiben wir unbedingt bei der Bringschuld der Politiker. Und führen wir zugleich per Volksbegehren eine Wahlbeteiligungs-Quote (von 45 Prozent) ein: Unterhalb dieser darf kein Parlament beschlußfähig sein. Dann müssten sie sich endlich Mühe geben, verständlicher zu werden, um die Menschen an die Urnen zu locken, anstatt in ihrem eigenen Saft zu schmoren und uns Zeug zu erzählen.
Sie müssten uns also "da abholen, wo wir stehen". In diesem Sinne wäre ich auch für eine Hol-Schuld.
Donnerstag, 28.06.2007
Marco allein im Knast
Strand an ein britisches Mädchen (13) heranmachen und deren Mutter würde bei
der deutschen Polizei Anzeige wegen Kindesmißbrauchs stellen. Was würden »wir«,
d.h. unsere Polizei/Justiz tun? Und was würde der »gesunde Menschenverstand« bzw. unsere »Volksseele« dazu sagen?
Vorschlag 1: »Wenden Sie sich doch bitte an die türkische Botschaft. Den Jungen
lassen wir mal weiter einfach herumlaufen. Und wenn er sich verdrückt? Geht uns ja eigentlich auch nichts an (ob er vielleicht noch unsere Kinder mit seinem vorzeitigen Samenerguss erfreut). Denn der Junge hat
grundsätzlich Recht, weil seine Mitschüler in Istanbul sagen, daß er ein netter Kerl ist,
der das ja noch nie gemacht hat. Und das Mädchen ist eine Lügnerin, genau wie seine Mutter... Die wollen ja nicht einmal Interviews geben!«
(Wahlweise auch: »Die soll sich nicht so haben. Irgendwie wollte die das doch bestimmt auch selbst. Wie war die denn gekleidet, die hat ihn doch direkt dazu aufgefordert! So eine käme mir nicht ins Haus!«) Ähm, ja, das klingt wie vor fünfzig Jahren, ich weiß...
Vorschlag 2: »Den Jungen setzen wir erst mal fest und schauen dann erst mal per
Gerichtsverhandlung, wer da die Wahrheit sagt.«
Richtig geraten, meine Damen und Herren, unsere Justiz würde eher Vorschlag 2 beherzigen. Und nichts anderes tut die
türkische auch, auch wenn es sich um einen deutschen Jungen handelt, der in Antalya
eine 13-Jährige für 15 gehalten haben will, um sie dann nur durch vorzeitigen Samener-
guß vor den Segnungen seiner Sexualität zu verschonen.
Aber die deutsche Öffentlichkeit — verwirrenderweise auch die meisten deutschen
Medien — lassen das außeracht: Es hier tatsächlich nicht um ein Spiel Deutschland-Türkei, sondern um den möglichen sexuellen Übergriff eines 17-Jährigen an einer 13-Jährigen, um eine Anzeige einer Britin bei den türkischen Behörden und (nur zufälligerweise) um einen mutmaßlichen Täter aus Deutschland.
Wobei in den deutschen Medien die Nationalitäten meiner Meinung nach viel zu
hoch gehängt werden: Auch wenn es ein deutsches Mädchen und ein britischer Junge
gewesen wären, hätten die türkischen Behörden nicht anders handeln können. Denn
anders zu handeln hätte die Frage aufgeworfen, ob also jedes ausländische Mädchen in der Türkei praktisch Freiwild wäre?
Was würde man denn sagen, wenn die Türkei eine Anzeige mit einem Freigang des
Jungen beantwortete? Doch wohl: »Das Rechtssystem dieses Landes schützt die möglichen Täter.« Oder stünde da nicht bald ein Macho-Vorwurf im Raum: »Na, klar, geht ja nur um ein Mädchen; Frauen gelten in dem Land ja nicht viel...«?
Allerdings wären die Stimmen der Logik nach nicht so laut, da man im Fall Kurnaz von
konservativer Seite genau so argumentierte: »Der Türke Kurnaz wurde von amerikani-
schen Kräften entführt, also ist das eine Angelegenheit zwischen den USA und der Tür-
kei«, hieß es da. Was natürlich insofern nicht stimmt, weil der hier aufgewachsene (also
nicht einfach eingereiste) Türke eben nicht irgendwo, sondern auf dem Boden der Bun-
desrepublik Deutschland gekidnappt wurde. Aber selbst eingereist, wäre es Sache der
Bundesrepublik, da sie den Menschen, die sich auf ihrem Boden befinden, Rechtssicherheit gewähren muß. —
Genau wie die Türkei in diesem Fall. Daher ist die Inhaftierung eines des sexuellen Mißbrauchs Verdächtigten zunächst einmal völlig rechtens und korrekt — und keineswegs Sache der hohen Diplomatie, die da gar nichts zu suchen hat.
Ja, ja, ich höre schon die Stimmen: »in dubio pro reo«. Klar. Das gilt aber hauptsächlich
nach einer gerichtlichen Untersuchung, die nicht einwandfrei die Schuld eines Ange-
klagten nachweisen kann. Sonst müsste man auch in Deutschland die Untersuchungshaft abschaffen.
Denn kommen wir noch einmal zu dem hypothetischen Fall zurück: Der hierzulande
wegen möglicher Vergewaltigung eines britischen Kindes inhaftierte türkische Junge
könnte auch nicht seinen Außenminister in Gang setzen. Unsere Behörden würden
denen zurecht sagen: »Die Regierung kann den Richtern nicht vorschreiben, was sie
nach Recht und Gesetz zu tun haben.«
Inzwischen geht diese nationalisische Deutung so weit, dass sich nicht nur Außenministrant Steinmeyer, sondern auch unser Bundestante Merkel genötigt sieht, den »armen Jungen« (der immerhin mindestens des sexuellen Missbrauchs verdächtig ist) »nach Hause« holen zu wollen.
Die Behörden scheinen nicht zu lernen, denn es gab schon einen ähnlichen Fall in den
1980er oder 1990er Jahren. Damals war in Tailand ein junger Deutscher des Drogenhan-
dels angeklagt. Darauf steht dort möglicherweise die Todesstrafe (die aber wahrscheinlich nicht über einen Europäer verhängt würde) und die Bundesregierung tat alles, ihn »heim zu holen«. Was tat dieser? Er hatte nichts Eiligeres zu tun, als seine Taten zum Bestseller zu machen und sich genau dessen zu brüsten, was deutsche Behörden eben anzweifelten. (Ein Deutscher tut im Ausland nichts Ungesetzliches! Das tun die anderen immer nur bei uns...)
Dumm war nur, dass damals im Ausland begangene Straftaten in Deutschland nicht verfolgt werden konnten. Das hat sich (insbesondere bei Kindesmissbrauch: vgl. Sextourismus!) mittlerweile und glücklicherweise geändert. Ich bin aber neugierig, wann diese Gesetze sich auch wieder auf den Stand von damals zurückentwickeln.
Deutschland wird immer mehr zu einer nationalistischen Kopie der USA, die ja auch
auf dem Standpunkt steht, dass »niemand zurückgelassen wird« und dass kein US-Amerikaner im Ausland verurteilt werden dürfe.
Also stellt sich die Frage, ob am Ende US-Amerikanern und Deutschen in der Welt alles erlaubt ist. Auch Kindesmissbrauch, Drogenhandel und am Ende vielleicht Mord?
Interessant an diesem Fall ist auch, daß man dort die Knastbedingungen als »Horror-Knast« brandmarkt, dass man sich aber an deutschen Stammtischen durchaus einig ist, dass unsere Gefängnisse der reine »Kuschelknast« seien, und daß man mit Gefangenen durchaus anders umspringen müsse.
Dienstag, 19.06.2007
Ellen Sängers erste Aufregung seit 70 Jahren
Wirklich NICHTS? Also seit 1937 hat sie nichts so aufgeregt wie diese geplante Moschee? Keine Judendiskriminierung, keine Pogrome? Keine Vernichtungslager wie Auschwitz oder Majdanek? Kein Weltkrieg mit seinen Greueln? Keine Zwangsarbeiter? Keine Euthanasie? Ist seitdem alles Friede, Freude, Eierkuchen gewesen in... Ehren!feld?
Das möchte ich gern mal erklärt haben, wes Geistes Kind die Dame oder der Journalist, der diese Zeilen schrieb, denn sind, wenn so ein Satz einfach so über den Äther gehen kann.
»Ich hab' nichts gegen Türken, ich geh auch bei Türken einkaufen«... schön, meine Dame, aber daß Sie sonst bisher alles gut fanden, das nehme ich Ihnen übler, als wenn Sie »die Türken« (gibt es keine anderen Moslems, hierzulande?) boykottieren würden.
Giordano hat geistig abgedankt
Im Intelligenzblatt mit den vier Buchstaben steht über Giordanos Zeilen die (von ihm beglaubigte?) Überschrift: »Wut-Brief gegen Islamisten«. Also sind für Giordano alle Moslems, die eine Moschee bauen wollen Islamisten/Terroristen? Denn darum geht es in diesem »Wut-Brief«! Schönes Weltbild...
In dieser so intelligent geführten »Logik« könnte man den Nazis natürlich in der Retourkutsche auf Giordano Recht geben, dass alle Juden Schacherer und Brunnenvergifter wären. Was wir nicht tun. Aber ich wundere mich, wie dieser alte Mann, der einst wirklich das rhetorische Florett zu führen verstand, sich jetzt vor solch hysterisch-rassistische Karren spannen lässt.
»Es gibt kein Grundrecht auf den Bau einer Großmoschee« zitieren ihn die Nazis auf einer von der ARD abgefilmten Straßendemo. So eine Belehrung verbitte ich mir. Genau wie die von Ex-Kanzler Schröder, der meinte, dass es kein Recht auf Faulheit gebe... Warum sagt uns eigentlich immer einer, worauf wir kein Recht hätten?
Aber zu diesem Spruch: Bravo, Herr Giordano, das nenne ich Karriere! Er ist den alten Nazis entkommen, um den jungen Faschos als Stichwortgeber zu dienen. Hierfür muss noch ein Preis erfunden werden. Das hat schon Horst Mahler'sche Qualität, was er (sich) da leistet.
Und hören wir doch mal, was der empörte Nazi-Entkommene, Heim ins Nachkriegs-Reich gekommene Giordano da noch zu verkünden hat: »Ich will sagen dürfen, dass ich Burkaträgerinnen, Shadorverhüllte auf deutschen Straßen nicht sehen will. Ich will sagen dürfen, dass ich Muezinrufe von Minaretten nicht hören will. Ich will meine kulturelle Selbstbestimmung behalten, und mir nicht vorschreiben lassen, was ich sagen oder schreiben darf.«
Entlarvend ist auch Giordanos rhetorisches Handwerkszeug, in diesem gesendeten Filmausschnitt. Denn er verwendet mit sichtlicher Lust eine gern genutzte Denkfigur der Rechten: »Ich will sagen dürfen, dass ich ... nicht sehen will. Ich will sagen dürfen, dass ich ... nicht hören will. Ich will ... mir nicht vorschreiben lassen, was ich sagen oder schreiben darf.« Der Hüter der ultimativen Wahrheit hat seine Stimme erhoben wider die demokratische politisch korrekte Zensur! - Pfui Deibel!
Dabei verbietet ihm ja niemand, das zu sagen, was er möchte. (Täte es doch einer, er würde vor seiner eigenen Demontage geschützt.) Aber die Vereinnahmung seines »Haß-Briefes« an die Bildzeitung (Ausgerechnet! Oder wollte sonst keine seriöse Zeitung sein Pamphlet abdrucken?) durch die Faschos und Rechts-Ausleger, die Zitierfähigkeit seiner Äußerungen in diesen Kreisen, müsste ihn zumindest nachdenklich stimmen. Tut es aber offenbar nicht. Er trägt ja die Fackel der nationalen Identität vor sich her. Das kann ja nicht so falsch sein, in dieser schwarz-rot-geilen Zeit...
Denn die Rechte, die er da als Ex-Denker fordert, fordern eben auch Rechten für sich, und halten sich wie er für die letzten verfolgten deutschen Wahrheitskünder. Jetzt könnte er sogar auf ihren Kongressen reden. Fein, Herr Giordano, da haben Sie sich aber ganz schön selbst befleckt.
Böll bekäme bei sowas Durchfall und Max Weber könnte sich wiederholen: »Ich kann nicht so viel fressen, wie ich kotzen möchte.« Anders als Grass ist Giordano keine unwissend präpotente 17 Jahre alt, sondern... okay. Ein Greis, der aus seinem Ohrensessel hervor greint.
Aber bleiben wir in Giordanos Logik: Dann darf er auch den Nazis — die, ihn jetzt zitierend, ansonsten sein Existenzrecht bestreiten würden — nicht verbieten, ihre freie Meinung kundzutun. Dann soll er fürderhin schweigen von Demonstrations- und Parteiverboten für Faschos — oder sich dort besser einreihen. Denn da passen seine Äußerungen, wie man merkt, nahtlos hin.
Denn auch die Rechten wollen keine Burkas, Kopftücher und türkischen Schnurrbärte auf unseren Straßen sehen, und auch keine Muezins von Minaretten hören. Sie möchten aber auch keine Neger, Schwulen und psychisch Kranken sehen. Vor allem aber keine ewig nörgelnden Juden, die Jahrzehnte lang an der deutschen Geschichte und deren Aufarbeitung herumkritteln, und Wiedergutmachungszahlungen fordern, ohne endlich einen Schlußstrich zu finden, Herr Giordano!
Das macht seine Bemerkungen so unerträglich: »Ich will meine kulturelle Integrität behalten«, knottert der greise Gutmensch mit seiner deutsch-jüdischen kulturellen Identität und dem wunderbar deutschen Namen »Giordano«.
Seine kulturelle Identität wollen die Rechten, aber auch nicht. Genauso wenig wie Minarette, Burkas oder Schläfenlocken unter schwarzen Hüten. Er macht sich also gemeinsam mit ihnen wegen einer Moschee ins Hemde, während er sich aber gegen eine Synagoge gleichen Ausmaßes nicht so ins Zeug legen würde. Aber seine neuen rechten Fans täten es schon.
Glaubt dieser altersverstaubte Ex-Denker tatsächlich, sich auf seine alten Tage mit solchen Ausbrüchen — bei welcher Mehrheit auch immer — noch beliebt machen zu können? Hättest Du nur geschwiegen, Giordano, möchte man klassisch ausrufen.
»Wo bleibt denn der Respekt für diesen langjährigen Mahner?«, höre ich schon manchen Einwand gegen meine kleine Einlassung wettern. »Nehmen Sie doch Rücksicht auf einen verwirrten alten Mann!« Nein, sage ich. Wer seine Dummheit so öffentlich und unverdrosssen ins Schaufenster stellt, wie Ralph Giordano, verdient diese Kritik und vielleicht besser, daß ihm niemand mehr ein Mikrofon hinhält. Vielleicht hatte er auch nur das Gebiss falschrum drin...
Sonntag, 17.06.2007
Ein Leuchtturm weniger
Dass er sich jetzt so hetzerisch über den Islam äußert, enttäuscht mich, und zeigt mir, wie arrogant offenbar diese mitteleuropäische Opferrolle, sei sie nun von Nazis oder von den Nazis Verfolgten ausgefüllt, ist.
Denn Giordanos "Islam"-Äußerungen stehen nicht nur dem päpstlichen Quatsch in nichts nach, sie sind genau in dem Fahrwasser, das ihn anno 1933 zu einem guten Nazi gemacht hätte.
Möchte sich hier jemand, eingedenk seine bisherig angenommenen Opferrolle endlich mal mit der zugegeben rechtskonservativen Mehrheit eins wissen? Oder war er's am Ende immer schon selbst?
So billig, "den Islam" vor laufenden Kameras in Bausch und Bogen quasi zum minderwertigen Dreck zu erklären, hätt' er's doch nicht haben müssen. Oder errichtete sich seiner körperlichen Moschee während er so redete ein gar kitzelndes Minarett?
Schade, mir ist wieder ein vormals geistiger Leuchtturm umgeknickt, ein nur scheinbar internationaler Geist gestorben. Denn egal, was er jetzt noch sagt: er ist für mich gestorben. Und seine früheren Werke bekommen einen faden Nachgeschmack...
Dienstag, 12.06.2007
Nobelpreis für den Dicken
mut Kohl ungefähr so verdient, wie der Oscar für Tarzans Cheetah: War zwar
dabei, hat aber nichts begriffen.
Dieses intellektuelle Nullwachstum, das von der eigenen Partei in die Wüste
geschickt wurde und noch immer glaubt, Bestechung sei Ehrensache und nur ver-
werflich, wenn die anderen (»die Sozn!«) sie praktizieren, wurde von Michail
Gorbatschow vorgeschlagen. Das darf nicht verwundern, hier versucht sich
einer in Erinnerung zu bringen, indem er einen Verdrängten wieder ins
Bewußtsein rückt. Der Vorschlag meint: »Hey, redet mal wieder über mich, Gor-
bi!« Denn der ist genauso abgemeldet wie Kohl. Mit dem Unterschied, daß er
seinen Nobelpreis schon hat.
Wir wissen ja, wie sich das mit dem Bundesverdienstkreuz verhält: Ab einer
bestimmten Amtshöhe (Ministerpräsident, Minister oder Kanzler) ist Politikern
diese Auszeichnung hierzuland praktisch automatisch sicher. Obwohhl sie
nichts gemacht haben, als ihren Job.
Und wer das ihm »zusehende« Bundesverdienstkreuz (BVK) noch nicht hat, der
ruft einen guten Kumpel an und bittet darum: »Kannste mich nicht mal vor-
schlagen, sonst vergessen die das noch.« Besonders nötig scheint das bei
einem Bundespräsidenten, der nicht mal fließend vom Teleprompter ablesen
kann... Aber das nur nebenbei.
Und so wird es sich wohl auch mit Helmut Kohl abgespielt haben: Rotes Tele-
fon in Oggersheim, wir hören noch die Wählscheibe, und das ferne tuten aus
der Moskauer Datscha, in der der längst vergessene Gorbi gerade sein Feuer-
mahl mit Filzstift nachzeichnet, damit man ihn zumindest daran erkennt.
»Michail Gorbatschow?« fragt er in akzentfreiem Russisch.
»Hallo, Gorbi, hier ist der Helmut, erinnerst du dich? Der mit der Strick-
jacke.«
»Ach, ja, ich erinnere mich gut. Schön, daß du mich anrufst, ich komme mir
im moment so unangerufen vor. Kann es sein, daß mich der Rest der Welt ver-
gessen hat?«
»Kann sein, aber deswegen rufe ich dich ja an, damit du siehst, daß ich
dich nicht vergessen habe. Denn ich wollte dich um einen kleinen Gefallen
bitten.«
»Aber gern, Helmut, alter Freund. Immerhin hast du mir ja damals, als du
mich mit dem Goebbels vergleichen hast, einen echten Popularitätsschub gege-
ben. Was kann ich also für dich tun?«
»Könntest du mal den Leuten sagen, daß ich den Nobelpreis bekommen müsste.«
»Aber claro, Helmut, ist doch kein Ding. Dachte, du wolltest mehr.«
»Nee, nee, nur den. Der fehlt mir noch in meiner Sammlung von Ehrungen und
Ehren-Doktorhüten.«
»Ich werde gleich morgen die BILD-Zeitung anrufen und denen das dann
sagen.«
»Aber wirklich Helmut Kohl sagen, nicht Schmidt, ja?«
»Wer ist das denn?«
»Ein anderer Helmut. Der wird sich dann aber ganz schön ärgern... Freu' ich mich schon
drauf.«
»Na, wenn ich dir eine Freude machen kann, Helmut, weißt ja, das mache ich gern.«
»Na, dann ist ja alles gut.«
»Wofür sind denn Freunde da?«
»Das finde ich auch, Gorbi. War schön, mit dir gesprochen zu haben. Und
schick mir mal gelegentlich meine Strickjacke zurück,«
Gerade habe ich noch eine schöne Begründung für die Nobelbepreisung Birnes gehört: "Wer so standhaft sein Ehrenwort hält, der sollte den Nobelpreis bekommen."
Ich denke, Nancy Sinatra irrte sich, als sie sang: "These boots are made for walking." Ich wüßte anderes damit anzufangen...
Donnerstag, 24.05.2007
Couragepreis für Bert Dietz
DAS war ein mutiges Geständnis, das aber offenbar den Anstoß zu einer ehrlichen Aufarbeitung des elend heuchelnden Leistungssports gab.
Offensichtlich folgen Henn, Bölts, Aldag - fehlen nur noch Zabel und Ullrich. Und die anderen Internationalen Fahrer natürlich auch.
Vor allem müsste aufgedeckt werden, wo Doping im Hase-und-Igel-Spiel heute steht. Denn ich kann einfach nicht glauben, dass es einfach aufgehört hat: Armstrong, Landis, Basso... Nehmen wir noch die Affairen im Gewichtheben, in der Leichtathletik und wohl auch im Schwimmen.
Und die Heuchelei geht letztlich nur weiter. Denn wie kann beispielsweise eine sechsfache Ex-Olympiasiegerin von sich behaupten, nie gedopt zu haben und "einfach" als Sportjournalistin arbeiten? Wäre ich ein Bölts oder Ullrich und sie würde mich zu den jetzigen Vorgängen interviewen, würde ich die Fragen einfach zurück geben: "Haben Sie denn nicht gedopt, Frau Otto? Wie konnten Sie sechsmal gewinnen, wenn doch alle anderen nachweislich bis zum Kragen gespritzt waren?"
Es wird immer gedopt werden. Kann mir doch niemand was anderes sagen. Da helfen auch die neu-naiven Kommentare ("In den Neunzigern, ja... Aber heute wird nicht mehr gedopt...") nicht weiter.
Wichtig ist, diese Heuchelei zu beenden. (Nehmen wir nur den gestern unselig stereotypen Kommentar vom BDR-Präsiden Scharping... Der Mann hat nichts begriffen oder ist einmal zu oft auf den Kopf gefallen. - Allerdings klingt er heute morgen anders.) Erst wenn dieser stereotype mit diesem hochkomplexen, von vielschichtigen Ängsten, Abhängigkeiten und Forderungen (ausgesprochen und unausgesprochen) offengelegt ist, können die entsprechenden Stellen neu anfangen.
Und sei es als ultima ratio mit einem erlaubten Doping...
Deswegen sollte der mutige Dietz zumindest einen Courage-Preis für sein Interview in der ARD bekommen. Denn er wusste nicht, ob ihm alles um die Ohren fliegt (wie Scharping noch gestern gern gehabt hätte) oder ob andere sich endlich ein Herz nehmen und ihm folgen.
Herr Dietz, meinen Respekt!
Donnerstag, 22.03.2007
Bestelltes Koran-Urteil
Der Islam ist schuld, Der Koran ist unser Unglück!!!
Schon mal gehört? Da war es eine andere Religion, das Judentum. Heute erfüllt der Islam diese Funktion der völkischen Einigung, hierzuland.
Denn was ist denn eigentlich geschehen? Eine Richterin hat wirklich ein saudämlich-rassistisches Urteil von sich gegeben. Das war keine islamistische Richterin (gibt's nämlich nicht), und auch keine Araberin in einem deutschen Schafspelz, sondern eine Richterin, deren Urteil meiner Meinung nach geradezu gekauft scheint.
»He, mach mal ein Urteil, über das wir uns mal so richtig - aber so richtig! - aufregen können« scheinen ein paar Unions-Politiker und Alice Schwarzer (»Wir schwarzen müssen zusammenhalten.«) dieses überaus durchsichtige Urteil geradezu bestellt zu haben.
Mich würde nicht wundern, wenn da nicht einige Gelder geflossen wären: Urteil gegen Bakschisch... Nein, das ist schon wieder diskriminierend: den Begriff »Bakschisch«, meine ich, nicht den Deal als solchen zu brandmarken.
Denn es ist doch klar, dass eine deutsche Richterin nicht mit dem Koran in der Hand Urteile fällen darf. Wer stellte das denn je in Frage? Wir urteilen ja auch nicht mit "Mein Kampf" unter dem Arm über Nazis oder mit der Mao-Bibel über chinesische Mafiosi.
Allerdings haben ja in der Tat nach dem zweiten Weltkrieg deutsche Richter Recht gesprochen, die schon unter Adolf Unrecht sprachen. Und manche wurden sogar Ministerpräsidenten. Dürfen wir auch nicht vergessen.
Aber diese Aufregung über das äußerst rassistische Urteil (wem klingt dabei nicht der KZ-Tor-Spruch »Jedem das seine« im Ohr?) richtet sich mal wieder nicht gegen die Täter, eine bescheuerte Richterin, sondern gegen den inzwischen von ultrarechts bis angst-bürgerlich und linksfeministisch (nichts gegen den Feminismus, er ist nötig und richtg, aber woher kommen diese dezidiert antiislamischen Reflexe, Frau Schwarzer?) ausgemachten gemeinsamen Feind: den Islam.
Wenn diese inzwischen Allgemeingut gewordene Ausgerenzungspraxis so weitergeht, kann man wirklich nicht von Integration sprechen. Und nicht nur für diese mißhandelte und scheidungswillige Frau, die sich endlich entschlossen hat, sich nichts mehr gefallen zu lassen, wäre eine von der Mehrheitsgesellschaft gewollte Integration bitter nötig.
Also, laßt die Kirche (oder die Moschee) im Dorf und regt Euch über den in diesem Urteil versteckten Rassismus auf. Die Verfassung des Landes ist durch ein solches nicht in Gefahr.
Ex-tegration - verbale Marginalisierung des Opfers
Die betroffene Frau, die sich von ihrem schlagenden Mann scheiden lassen wollte und von einer indolenten Richterin auf den Koran zück gestoßen wurde, wird nach kaum einem halben Tag auf »eine Marokkanerin« reduziert/marginalisiert. Falsch, meine Damen und Herren Eilig-Journalisten: Es handelt sich hier um eine
Deutsche mit marokkanischer Herkunft.
So viel Zeit muß sein. Gerade, wenn es der Wahrheitsfindung dient. Denn genau so argumentiert die Richterin: »Dass Männer ihre Frauen schlagen, ist in diesem Kulturkreis nicht unüblich«, sagt sie. Es ist eine Deutsche!
Andererseits könnte die Richterin auch mal Recht haben: in diesem Kulturkreis ist Deutschland. Und es musste noch kein Frauenhaus zugemacht werden, aus Mangel an geschlagenen Frauen.
A propos: Schlagen deutsche Männer ihre Frauen nicht? Ist das also nur ein islamisches Phänomen? Und wer hat verhindert, dass Vergewaltigung und Schläge in der Ehe ein Verfolgungsdelikt bleibt? Fragt Euch das mal!!!
Dienstag, 23.01.2007
Stoibers Nachfolge
Und wenn man von Königsmördern sprechen will, dann sicher nicht in diesem Fall. Dieser "König" lebt ja noch und darf vor der Hinrichtung (das Fallbeil wird geköpft, auch a Geschmäckle) noch zwischen seinen zänkischen Nachfolgern vermitteln. Das hat schon was, finde ich. Der Bär teilt seinen Pelz unter seinen Jägern auf.
Ob je ein Script mit einem solchen Plot auch nur die Chance hätte, zum Film zu werden?
Aber nicht nur das: Sein Abgang wird (z.B. von Söder) auch noch als "freiwillig" bezeichnet. Dabei ist Stoibers Gang in den Ruhestand aus genauso freien Stücken wie die "Freiwillige Ausreise", die diesertage mit Recht zum Unwort des Jahres erklärt wurde. Oder ist gerade das im konservativen Selbstverständnis freiwillig: Wenn man geht, weil man muß - und nicht, weil man will?
Servus Edi,
jetzt kannst Du ja mal in Ruhe ausprobieren, wie das ist, mit dem Hauptbahnhof und dem Flughaben und den zehn Minuten... äh... äh... äh...
Spaß beiseite: Ich denke, diese Rede war sein Anfang vom Ende. Alles andere sind vorgeschobene Gründe.
Pfüat di!
Freitag, 12.01.2007
Von neuen Jahren und guten Wünschen
Schönes neues Jahr 2007
wünschen und sagen, daß ich mich auch im neuen Jahr immer mal wieder kommentierend äußern werde. Denn Gründe gibt es genug, und gerade in letzter Zeit, das Gestrampel mit den verschiedenen Ämtern und Institutionen, gibt mir weiteren Anlaß, mich zu den Vorgängen in diesem unserem Lande ein- und auszulassen und/oder ausfällig zu werden.
Und natürlich seid Ihr, liebe Leser/Diskutierende/Mitblogger, weiterhin gefragt. Kann auch mal sein, daß ich mich eine Weile nicht melde (wie im letzten Teil 2006), aber es dürfte sich immer mal lohnen, auf diese Seite zu klicken... ;-)
Mit besten Grüßen
Eurer
aho
Donnerstag, 16.11.2006
Nieder mit der grammatical correctness
Daher haben wir dann doch immer wieder die Helden aus dem Alltag, die sich mit sowas überhaupt nicht aufhalten. Ich kenne einen, der unterschreibt jeden seiner Briefe mit »Ich halte Briefe für eine Meinungsäußerung, und nicht für ein grammatisches Gesamtkunstwerk.« Endlich sagt's mal jemand: Grammatik, phui Teufel, sollen wir doch schreiben wie wir wollen, verdammt nochmal. Mein Fahrlehrer sagte mal so schön: »Kann mich doch keiner dran hindern, in den Graben zu fahren, wenn ich will! Wir sind doch ein freies Land!«
Wie beim Fahren, so beim Schreiben!
Und Recht hat er. Aber sehen wir uns die ganzen Menschen an, in das Kapitalistische System stützende Nachhilfeunterrichte geschleust und gezwungen, um den Dativ vom Genitiv zu diskriminieren oder irgendwelche »Zeiten« auswendig zu lernen. Wozu? Was vorbei ist, ist vorbei, Mann! Schlussstrich! und Futur? Welches Futur???
Das ist doch TERROR, der mit Bombbardements nicht unter 60 Tagen bestraft werden sollte! Was ist denn an »Ich geh Schule« so falsch, verdammt nochmal?
Aber nein, die Kiddies müssen in den Nachhilfeunterricht und bekommen erzählt, »Ich geh Schule« sei ein ungrammatischer Satz, und »ich tu meine Schuhe ins Regal stellen« sei falsch. Ja, was denn? Wenn das Kind nunmal so ordentlich ist: Soll es wegen seiner Grammatik die Schuhe jetzt in die Ecke schmeißen, oder was? Also: tu' die Schule in Regal, mein lieber Schollie. Aber mal ganz wichs!
Ihr seht, was überkorrekte Grammatik in der anständigen Unterschichtenfamilie für Schaden anrichten tut. Bildungsnähe hat doch nichts mit Anständigkeit zu tun! Roland Koch hat auch studiert. Ist er deswegen kein Arschloch geworden? Aber das hat wieder abgeschweift, lassen wir das Dorf um die Kirche.
Das Zentralorgan des grammatischen Terrors das schon die Kommunisten bis zum bitteren Ende nur zum Schein unterstützt hat - außer wenn sie mal rassistisch wurden, dann war es gleich mit dabei -, heißt natürlich »Spiegel« und Grammatik ist ohnehin eine schlimme Entgleisung der deutschen Kultur. Römer, okay, Griechen, auch. Meinetwegen auch mal die Franzosen. Aber ein guter Deutscher braucht doch solche Fürzte nicht, wie Grammatik! Manche murmeln sogar, Grammatik sei eine Erfindung des Weltjudentums und von Hendrik M. Broeder. Aber das glaube ich nicht. Broeder sagt alles, (»Nieder mit der political correctnes«.) wenn es ihn nur ins Gespräch (in welches auch immer) bringt. So komplizierte Sachen wie Grammatik kann er nich auch noch erfinden.
Sag' es deutsch! - Klingt das nach Grammatik? Der Ton macht bei uns die Musik, das reicht völlig. Da braucht man keine kategorialen Hilfskonstrukte, die uns nur beim Anschreien stören. Der wahre Deutsche lebt doch erst auf, wenn er die Sprach in ihren Ursprüngen sprechen darf: »Ich Deutsch, du Ausländer, ich hierbleib, du raus!« Das ist klar, das versteht jeder, das ist deutsch und damit grammatisch überhaupt nicht korrekt.
Ein grammatisch unkorrektes Tag ich Euch wünsche, da draußen, wo ihr immer sein tut.
Freitag, 27.10.2006
Rückrufaktion
Diese Rückrufaktion hätte den Vorteil, daß man nicht von Fern ein bißchen über die Truppe schimpfen und sich wohlfeil darüber aufregen kann, wie sich die Jungs dort benehmen, sondern daß man sie hier noch einmal richtig einstellen könnte.
Als bewährten Trainer schlage ich Jürgen Klinsmann vor, der der Truppe wieder etwas von dem alten "spirit" geben könnte, als die Wehrmacht noch sauber und kein deutscher Soldat je im Krieg auch nur einen Schuß abgegeben. Geschweige denn, dass auch nur ein deutscher Soldat in der Fremde je Frauen vergewaltigt oder Leichen geschändet hätte (und umgekehrt selbstverständlich auch).
Sammelt Unterschriften für eine weltweite Rückrufaktion der Bundeswehr-Produkte!!!
Donnerstag, 26.10.2006
Kopfball in Afghanistan
Und jetzt verteidigen ein paar unreife Jungs in Uniform diese westlichen Werte wie Demokratie und Kunst am Hindukush und spielen halt ein bißchen mit einem Kopf herum. Na, und? Zu westlichen Werten gehört nach »Idomeneo« offenbar auch wieder, mit Köpfen anderer Leute herumzuspielen.
Wie auf der Bühne mit einem geköpften Mohammed, einem guillotinierten Jesus und einem (noch idiotischer) enthappteten Buddha. Das hat doch nichts mit dem Totenschädel in Afghanistan zu tun? Das kann nur jemand sagen, der
Sonntag, 01.10.2006
Niederländerin aus Somalia bekommt deutschen Bürgerpreis
Ayaan Hirsi Ali ist eine mutige Frau. Das bestätigen ihr alle, die sich im Moment auf der richtigen Seite sehen: nämlich gegen den Islam.
Vor allem aber ist sie eine gute Zeugin, die "Ehrenmorde", "Papstrede", Pofallas Ausfälle, "Rückständigkeit des Islam" noch besser unterstreichen kann. Das hat mit Integration zwar nicht viel zu tun, aber die ist auch nicht erwünscht, hierzulande.
Denn ich denke, wenn man Menschen mit dem Bürgerpreis der Stadt Kassel hätte auszeichnen wollen, dann wären hierzulande sicher einige zu finden gewesen, die auch schwarz, die auch für Integration engagiert, die auch mutig sind. Sie könnten auch weiß sein, (klischeehaft) blond und blauäugig.
Es gibt in Deutschland einige Menschen, die sich ernsthaft um Integration und Verständigung bemühen, gegen Abschiebung, gegen Rassismus (ihnen werden übrigens aktuell von staatlicher Seite Gelder gestrichen, statt ihnen mehr Unterstützung zukommen zu lassen) und für ein friedliches Zusammenleben.
Aber man ehrt eine aus Somalia geflüchtete Niederländerin. Ich frage mich: Wäre sie hier her gekommen, nach Deutschland, und hätte sie hier um Bleiberecht und Asyl gebeten. Was hätte sie bekommen? Einen Bürgerpreis oder gleich das Rückflugticket nach Somalia?
Denn Beschneidung, drohende Ehrenmorde, Folter und mit dem Tod bedrohte Verfolgung von Frauen in "islamischen" Ländern sind bis heute kein Grund für Asyl oder wenigstens Bleiberecht in Deutschland, das diese unstrittig mutige Frau ehrt.
Samstag, 30.09.2006
Pofallas geistiger Stuhlgang
Jetzt gab es doch die Islam-Konferenz, in deren Verlauf nach Wolfgang Schäuble "alles offen angesprochen wurde". Und die Vertreter der verschiedenen islamischen Organisationen haben sich ausdrücklich dafür ausgesprochen, dass das "Mozart"-Stück Idomeneo mit seinem eher fragwürdigen Ende (war Buddha ein knechtender Religionsführer, der im marxistischen Sinne "Opium unters Volk" streute???? Warum wurden nicht gleich auch Ghandi und der Dalai Lama "geköpft", fragt man sich da...).
Fragwürdig inszeniert, muss man sagen, denn wie schon der Kommentator in der "Zeit" feststellt: die fragwürdige Szene wird an das Mozart-Werk angehängt, ist also nicht "Mozart", sondern rein die Inszenierung des Regisseurs. Warum die Intendantin also diesen letzten Teil nicht einfach abgehängt und das Stück einfach weiter aufgeführt hat, ist mir ein Rätsel. Meinungsfreiheit? Freiheit der Kunst? Ich hätte gern den Aufschrei gehört, wenn statt der Religionsstifer beispielsweise unser deutscher Papst, oder unsere Politiker geköpft auf dem Stuhl platziert worden wäre... Da hätte die Kunstfreiheit ein jähes Ende gefunden.
Aber wie gesagt, man hat sich einmütig geeinigt, das fragwürdig inszenierte "Idomeneo" nicht abzusetzen und die Vorstellung sogar gemeinsam zu besuchen. Ein Bekenntnis hier lebender Muslime zur deutschen Verfassung wurde auf dieser Konferenz ebenfalls informell eingeräumt.
Das muß dem Diplomaten Pofalla einfach zu viel Harmonie gewesen sein, und er meint, jetzt noch mal richtig vom Leder ziehen zu müssen: Religiös motivierte Gewalt sei fast ausschließlich Problem des Islams, lässt er da hören. Da hat er wohl die jahrzehntelangen Kämpfe in Nord-Irland vergessen, das sind meines Wissens keine Moslems, die einander gegenseitig abschlachten.
Und die Kreuzzüge... okay, die sind ja viel zu lange her, als dass sich Pofalla daran erinnern könnte. Da sind die Christen nämlich alle friedlich gen Jerusalem gefahren um durch reine Gebete die Heilige Stadt zu befreien. Aber auf die Kreuzzüge berief sich George W. Bush ausdrücklich vor seinen Krigen ("Ich bin der Kriegs-Präsident", wie er mal so stolz in alle sichtbaren Mikrophoneschwadronierte...).
Von den verschiedenen Papstkriegen und der überaus gewaltfreien Missionierung des amerikanischen und afrikanischen Kontinents wollen wir mal absehen. Und vor jedem Krieg wird bis heute die Hilfe Gottes erbeten. Es sind christliche Prieser, die nach wie vor die Waffen (unter andrem auch Landminen, Streu- und Splitterbomben) segnen, Herr Pofalla. Und das Konkordat mit Hitler ist zeitlich auch nicht so weit weg...
Naja, zum UNO-Generalsekretär wird er mit seinen Auffassungen wohl nicht. Und wenn man ihn so hört, hoffentlich auch kein CDU-Vorsitzender. Denn offenbar hat sich Pofalla auch noch mit keinem Imam unterhalten. Sonst wüßte er, daß gerade die Moselems einen dicken Strich zwischen den Vertretern der drei Buchreligionen (Islam, Judentum Christentum) und Atheisten, also den eigentlichen "Ungläubigen" ziehen.
"Hauptsache, jemand glaubt an Gott", ist das Statement, das ihm jeder Imam entgegnen wird. Denn wer nicht an Gott glaubt, also Atheist ist, ist in ihren Augen ungläubig, hat keine Moral und damit keinerlei Ethik.
Von der Gleichberechtigung der Frau wollen wir hier nicht noch einmal ausführlich sprechen. Nur so viel: bis 1973 mußten Frauen in Deutschland noch die Erlaubnis ihres Vaters oder Ehemannes einholen, wenn sie einen Arbeitsvertrag unterschreiben wollen. Und die von Pofalla sicher bevorzugte katholische Kirche strotzt ja geradezu von Priesterinnen und weiblichen Bischöfen um ein Haar wäre statt Ratzinger sicher noch eine Frau Päpstin geworden. So weit sind wir schon mit der Gleichberechtigung in Pofallas Kreisen.
70 Prozent aller Geisteswissenschaftlichen Studierenden sind Frauen aber nur drei Prozent aller Professorenstühle sind weiblich besetzt. Das ist seine Gleichberechtigung. Und wieviele Frauen sitzen in Konzernvorständen? Das dürfte sich im Promillebereich bewegen.
Aber wer wird schon solche dummen Fragen stellen (oder sich um die Frage der "Ungläubigen"-Bezeichnung zu klären) mit moslimischen Predigern reden, wenn er sein ablehnendes Weltbild behalten will? Das wäre doch kontraproduktiv.
Pofallas Störfeuer kam genau zu einem Zeitpunkt, der nur auf einen billigen Effekt abzielt: Zu viel Miteinander zu torpedieren.
Weitere vorhersagbarer Verlauf des Ganzen: Es wird wütende (also wenig intelligente) Proteste von Moslems gegen Pofalla geben. Ein paar linke Spinner werden ihn zum Rücktritt auffordern (als wenn es sie etwas anginge, wer Generalsekretär der CDU ist) und nach ein paar Tagen Bedenkzeit wird Pofalla sagen, man habe ihn mißverstanden, er habe nur einen Beitrag zur Verständigung zwischen Christen und Moslems leisten wollen. Der letzliche Beweis wird für ihn aber sein: Sie sind einfach nicht integrierbar, diese Muselmänner und -frauen. Und darum, letztlich ging es bei Pofallas Ausfall ja.
Mittwoch, 27.09.2006
Bisschen Jesus-Haxe zur Opernpause?
Haben Sie schon mal von "Idomeneo" gehört?
Das ist eine Mozart-Oper.
Das ist der Deutschen liebste Mozart-Oper, gegen die alle Moslems was haben, und die wir - und nebenbei unsere freiheitliche Grundordnung und unsere Freiheit der Kunst - unbedingt verteidigen müssen, weil unsere Kultur einfach untergeht, wenn wir sie nicht mal aufführen dürfen.
Wieviele schöne Opernabende wären uns verloren gegangen? Wieviele Sänger- und Hörerkarrieren wären ohne Idomeneo undenkbar? Wieviele Häuser müßten schließen, wenn wir diese schöne, weltberühmt-bekannte und überaus beliebte Oper, unseren Idomeneo nicht hätten??? Das Abendland wäre ärmer. Denn jeder von uns ließe doch die Lindenstraße, den Tatort, das Dschungel-Camp und die nächste Technoparty links liegen,wenn er nur mal wieder in Idomeneo gehen könnte. Mal ehrlich: ist doch so!
Und jetzt kommen die Moslems an und regen sich künstlich auf, weil wir eine völlig Mozart-treue, authentische und bis ins Letzte modern und nach allen Deeskalationsweisheiten konzipierte Aufführung haben, in der eben mal ein Mohammed und ein Jesus geköpft werden. Das kann doch keine religiösen Gefühle verletzen, Leute!
Es ist doch wirklich lächerlich, in dieser Aufführung, deren Stoff unmittelbar nach den Trojanischen Kriegen spielt, eine Provokation zu sehen. Selbstverständlich war Mohammed auch dabei, und Jesus auch. Und Mozart hat ganz genau hinein geschrieben, wie man sie köpft. Das war doch ihre Zeit, Mensch! Mohammed war doch auf Troja, und wenn er da halt mal geköpft wird, wen kümmert's?
Nur Fanatiker können in einer solchen Inszenierung, zumal in der heutigen, von lustigen Mohammed-Karikaturen und netten Bombardements (Stichwort: friendly fire) versüßten Zeit eine Provokation sehen.
Der westlich-weltoffene Kunstfreund, setzt sich vergnügt hin und schaut zu, wie auf Troja die Stifter zweier Buchreligionen gemeuchelt werden und nickt vergnügt dazu. Noch ein wenig Jesus-Haxe? Noch ein bißchen Mohammed-Frikassee zur Pause?
Früher oder später fressen wir Euch alle. Freiheit, die ich meine.
Und wenn wir uns zuende vergnügt haben, dann regen wir uns wieder mal über MTV-Komiks auf, die unseren Papst verhohnepipeln und fordern die Absetzungen solch blasphemischer Streifen!
Dienstag, 19.09.2006
Der deutsche Papst - Retter der westlichen Zivilisation und Meinungsfreiheit?
Wer verteidigt den detuschen Papst eigentlich?
Niemand, ausser natürlich dem Vatikan und Deutschland. Zumindest nach der zu uns durchdringenden Nachrichtenlage stellen sich - anders als die autoritätsgläubige Angie - weder Bush noch Blair, Chirac oder Berlusconi hinter den Papst als Verfechter der westlichen Werte und der Meinungsfreiheit.
Sie wissen es wahrscheinlich besser: Die katholische Kirche war immerhin eine der Ursachen für das berühmte finstere Mittelalter. Sie bekämpfte lange innere und äußere "Feinde" und war auch mit von der allgemeinen Lehrmeinung abweichenden Personen wie dem Tübinger Professor Dr. Hans Küng, nicht eben zimperlich. Ihm wurde vor Jahrzehnten gar die Lehrerlaubnis entzogen. So viel zur Meinungsfreiheit in der Katholischen Kirche. Ironie der Geschichte: Ausgerechnet der heutige Paps Benedikt XVI. betrieb die faktische Exkommunikation Küngs, der u.a. die Unfehlbarkeit des Papstes in Frage stellte.
Zudem weiß jeder, dass Ratzinger Chef der Glaubenskongregation war, also genau jener Nachfolgeorganisation der päpstlichen Inquisition. Mag man auch behaupten, die Inquisition sei schon lange her und längst humaneren Denkweisen gewichen. Küngs Schicksal belehrt uns eines Besseren/Schlechteren.
Intgeressant ist in diesem Zusammenhang auch, dass Küng, der eine Trilogie über die drei großen Weltreligionen, Das Judentum, Das Christentum und zuletzt Der Islam verfasste, starke Sympathien für eine aufgeklärt islamisch inspirierte Religiosität empfindet und hält einen interreligiösen Ökumenismus im Zeitalter der Postmoderne für erreichbar hält (zitiert nach Wikipaedia).
Die Gleichberechtigung westlicher Zivilisation, ein Banner, das in letzter Zeit immer gegen den Islam ins Feld geführt wird, gilt bekanntlich für die katholische Kirche auch nicht: Stichwort Frauenordination. Der wenigstens theoretische Zugang von Männern und Frauen zu den entsprechenden Machtpositionen ist in der Katholischen Kirche von vorn herein und offiziell unterbunden.
Ja, nur Angie verteidigt Ratzi. Das hat sicher auch seinen Grund in den in letzter Zeit gehäuften Besuchen Benedikt XVI. in Deutschland... nein, in Bayern!... und die damit einhergehende stärkere Markierung als deutscher Papst, und nicht als der Papst aller Katholiken (und nach eigenem Verständnis der ganzen Christenheit, ja, des gesamten Erdballs - oder doch eher der Erdenscheibe?).
Nicht einmal aus erzkatholischen Ländern wie Irland oder Polen hören wir Verteidigungsreden. Denn sie fühlen, dass Benedikt XVI. sich vielleicht wesentlich mehr für die Detuschen interessiert, als für den Rest dieses Elendsviertels, genannt Erde.
Schon sein Bayern-Trip mutete an, wie der Tagtraum eines jeden gehänselten Pubertierenden: "Eines Tages werde ich zurück kommen, und es allen zeigen." Das hat er jetzt gemacht.
Samstag, 16.09.2006
Der bestürzte Papst
Nein, Papst Benedikt XVI. ist nicht entsetzt, weil er nach seinem Vortrag im Auditorium der Uni Regensburg von unserer Angie verteidigt wurde, sondern weil er sich von der islamischen Welt missvertanden fühlt.Aber jetz mal Spaß beiseite: Wie kann man eine Rede missverstehen, die das nun schon berühmte Zitat beinhaltet, ohne es gleich im nächsten Satz zu dementieren oder ohne sich zumindest davon zu distanzieren?
Da sei im Papst in seiner Vorlesung wohl der akademische Hochschullehrer durchgegangen, erklärte ein Vatikan-Sprecher. Wieder so eine missverständnis: Gerade als intellektueller Denker müsste der Papst wissen, wie man sich von einem Text, den man zitiert, so aber nicht für sich in Anspruch nimmt, distanziert und klarstellt, dass der Text nicht die eigene Meinung widergibt.
Nein, das hat er nicht getan, in keiner Phase des Textes, auch wenn er die Passage, die dem Islam "nichts Gutes" und jede Menge "Inhumanität" unterstellt, als ein wenig drastisch bezeichnet.
Machen wir uns nichts vor: Würde ein RTL-Vorstand zugeben, dass die ARD ein gutes Programm macht, oder SAT1, oder wenigstens VOX? Nein. Und genauso veruschte der Papst die einschaltquoten seines Senders (nämlich die Mitgliedschaft der Katholischen Kirche) mit diesem Spruch zu erhöhen.
Man sammelt die eigenen Schafe immer am besten damit, dass man den anderen Club schlecht macht. Und wenn's Ärger gibt, haben die anderen einen einfach nur missverstanden. "Tschuldigung, war nur so 'ne Idee von mir!" kann er bei seiner wahrwscheinlich doch stattfindenden Türkeireise der Menge zurufen.
Entschuldigung hin, Empörung her: Das augenzwinkernde "Wir wissen's aber besser wird in den Gängen der katholischen Kirche, selbst bei einer persönlichen öffentlichen Entschuldigung des Papstes, vor sich hin modern.
Luthers Alptraum: Papst von Pastorentochter verteidigt
Ich will ja nichts Schlechtes über sie sagen, aber Angie zeigt sich nicht als Politikerin mit eigenem Rückgrat sondern als konservative Konsensjule mit ausgeprägtem Kriech-Gen. Sie würde den Papst vermutlich auch als Brückenbauer verteidigen, wenn er bei der nächsten Dokumenta an den türkischen Pavillon pinkelte.
Freitag, 15.09.2006
Unfehlbare Rückzugsgefechte
Der Papst wolle eine Haltung des Respekts zwischen den Kulturen und Religionen pflegen und habe die Moslems nicht kränken wollen... Netter Versuch, möchte man sagen, da muß der Unfehlbare aber noch kräftig üben.
Das andere Rückzieher heißt Arnulf Baring, der sich schon mit anderen Äußerungen hervorgetan hat. Bei einem CDU-Parteitag verniedlichte er den Nationalsozialismus als "Entgleisung" und forderte die "Eindeutschung" ausländischer Bürger... Da ist aber wohl kräftig einer aus der Spur gekommen.
Später erklärte er, er habe diese "Entgleisung" analog zum ICE-Unglück in Enschede gemeint, ebenso fürchterlich und grausam sei für ihn auch die Nazizeit gewesen.
"Herr Baring", möchte man rufen, "Sie sind Historiker, Doktor, Professor, gar! Sie sollten die Konotation von Entgleisungen kennen, die nur wenig über einer lässlichen Sünde, einem Verplappern, einem Unverständnis hervorrufenden Ausflippen und einer entschuldbaren Dummheit liegt.
Neudeutsch gesprochen, Herr Baring: Entgleisungen sehen anders aus.
Aber wieder kommt es zu dem, was meist konservative Redner offensichtlich auf einer schlechten Rhetorik-Schule gelernt haben. Nachdem sie merken, dass das, was sie da von sich gegeben haben, Verärgerung und Empörung hervorruft (dass die Gesellschaft also noch halbwegs normal tickt), wurden sie einfach falsch verstanden.
Wir werden gelegentlich mal eine Liste "falsch verstandener" Reden recherchieren und aufzählen müssen: Sie sind immer der Versuch, das Rad der Zeit zurückzudrechen und meist überwunden geglaubte, inhumane und intolerante Werte gesellschaftsfähig zu machen. -- Die allgemeine Reaktion darauf aber ist ihnen dann doch nicht geheuer, der Beifall leiser als die empörte Ablehung, also greift man zum Strohhalm: Missverständnis, Beschwichtigung, Leugnung, das je so gemeint/gesagt zu haben. Denn sie möchten ja Mehrheiten hinter sich wissen, das darf man bei diesen Lautsprechern all ihres "Mutes" zum Trotz nie vergessen.
Baring und sein Kollege, der Unfehlbare werden sich natürlich nicht entschuldigen, wie viele missverstandene Redner vor ihnen auch und ihr Umfeld wird nach wenigen Tagen erklären, dass "davon keiner mehr was wissen will; das hängt dem Publikum bereits zum Hals heraus; das Thema ist durch..."
Aber da haben sie wieder etwas missverstanden.