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<title>... liest wieder kein Schwein...</title>
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<description>Ein- und Ausfälle eines manchmal erträglichen aber hoch unzeitgemäßen Grantlers.</description>
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<lastBuildDate>Wed, 24 Feb 2010 15:39:11 +0100</lastBuildDate>
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<title>So ein Käß, Mann!</title>
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<description><![CDATA[Magot Käßmann tritt zurück, posaunen verschiedene Medien heraus. Wat'n dat? Da kenne ich aber noch ganz andere, die voll wie 'n Haubitze am Steuer saßen. Nicht, dass ich das verteidigen würde, ich trinke keinen Alk. Aber da denke ich an den ehem. Bayerischen Verkehrsminister Wiesheu, der besoffen sogar noch einen totgefahren hat, und dann immer noch munter weiter geamtet hat. Oder den guten Herrn Altmann, der beim Skifahren eine Frau zu Tode gefahren hat, und noch als Ministerpräsident weitermachte, obwohl er angeblich schwerste hirnliche Vergesslichkeiten nachweisen konnte.<br /><br />Und die Käßmann tritt zurück? Das ist doch, wenn auch ein respektabler Schritt, doch wieder ein Zeichen, warum manche Menschen im Karriereleben einfach nicht weiterkommen. Sie sind nicht skrupellos genug. Der Käßi würde ich gerne sagen: »Du, das war zwar nicht in Ordnung, denk' das nächste mal ein bißchen besser drüber nach, oder gib' nach dem ersten Glas den Schlüssel ab.« Das müsste ihr Schluss aus der Affraire sein, und nicht der Rücktritt. Wenn sie dann nicht mehr Bischöfin ist und wieder beim Fahren schwippt, hat sich ja nichts verändert.<br />Also, wenn das irgendwer noch rechtzeitig liest und die Nummer von der Käßmanns Margot hat, dann bitte schnell anrufen und sagen, dass ich das nicht in Ordnung finde, mit ihrem Rücktritt. Das wär' zwar hochanständig, aber auf der Ebene eher 'n bißken blöd. Die Machtmänner machen das auch nicht. Der Gerhard Schröder hat sogar besoffen sein Nachwahlkampf-Interview gegeben (»Frau Merkel, das können Sie doch nicht im ernst glauben!«) Und jetz ist sie Kanzler.<br /><br />Herrgott, Jogott, Margot...<br />Also, schnell ans Telefon und ihr sagen, vielleicht überlegt sie sich's ja noch.<br /><br />In diesem Sinne<br /><br />
 <br /><br /> ]]></description>
<pubDate>Wed, 24 Feb 2010 15:39:11 +0100</pubDate>
<dc:creator>aho</dc:creator>
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<title>Politisch Correkt - eine Empfehlung</title>
<link>http://andhof.blogg.de/eintrag.php?id=150</link>
<description><![CDATA[Schon die ganzen Jahre rätsele ich darüber, wie man &quot;politische Korrektheit&quot; gewissermaßen erklärt, und ich wundere mich immer darüber, wieviele Menschen eigentlich &quot;dagegen&quot; sind. &quot;PC&quot;, wie das dann despektierlich abgekürzt wird, will eigentlich keiner. Keiner?<br />Dabei fängt die PC eigentlich schon damit an, jemanden nicht aufgrund unveränderlicher Merkmale (Mann/Frau, sexuelle Orientierung, Herkunft, Hautfarbe usw.) zu diskriminieren. Das wäre schon mal der Grundkonsens. Der manchen aber schon viel zu weit geht. »Man muss doch 'nen Nigger doch immer noch Nigger nennen dürfen« erinnere ich noch aus einem Film. Huck Finn nannte seinen Freund Jim ja auch so, und was Huck... Okay, das sind so Sachen.<br /><br />Bisher hatte ich mir immer gesagt, dass man die PC als Hilfskrücke denken sollte: Als einen Apparat, der Rücksichtslosen und Uneinsichtigen als eine Art zivilisatorische Gehhilfe dient. Bei »alle Hartz IV-Empfänger sind faul und versaufen das Kindergeld« jauchzen sicher viele auf, und freuen sich, »dass endlich mal einer ausspricht, was alle Denken« und dass endlich mal einer »diese blöde PC« sein lässt und tacheles redet. Selbst unter meinen Freunden gibt es PC-Allergiker (und ich spreche hier nicht von Mac-Usern).<br />Ich denke, dass PC hilft, den Alltag ein wenig stressfreier zu halten. Denn alle, die ich kenne, die angeblich PC abschaffen wollen, wären stark dagegen, einfach eine auf's Maul zu bekommen, wenn ihre Nase jemand anderm nicht passt. - Da fängt aber PC auch schon an: Schlage nicht einfach drauflos, wenn du gerade mal Lust drauf hast....<br /><br />Warum ich das hier schreibe? Einfach, weil ich eine meiner Meinung nach gute Definition und kleine »Geschichte« des PC-Begriffes gefunden habe. Und zwar genau <a href="http://www.gefuehlskonserve.de/der-mythos-der-politischen-korrektheit-29042009.html">hier</a>.<br /><br />Und wenn Ihr schon mal in der &quot;Gefühlskonserve&quot; vorbeischaut, dann unterschreibt die dortige ADPL (Anti-Diskriminierungs-Petitions-Liste). Das würde dann nicht nur bedeuten, dass niemand für diese unveränderlichen Merkmale diskriminiert würde, sondern auch, dass er dafür auch nicht bevorteilt würde. (Wäre doch sogar ein glatt zynischer Grund für Rassisten und Homophobiker, diese ADPL zu unterzeichnen, oder?) Da ich dem Helenismus (oder ist das korrekter nicht der Helene-Hegemanismus?) nicht anhänge, sage ich hier gleich, dass der letzte Satz nicht meine Idee war, ich ihn aber so gut fand, dass ich ihn der Gefühlskonserve glatt geklaut habe).<br /><br />Beste Wünsche<br /><br />
 <br /><br /> &nbsp;]]></description>
<pubDate>Wed, 24 Feb 2010 14:45:42 +0100</pubDate>
<dc:creator>aho</dc:creator>
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<title>A Schmankerl</title>
<link>http://andhof.blogg.de/eintrag.php?id=149</link>
<description><![CDATA[<span style="font-weight: bold;">Montag, 4. Februar 2010:</span><br /><span style="font-style: italic;">»In bestimmter Weise habe ich auch was zu sagen, aber ich kann viel sagen, wenn nicht andere mitmachen und wenn wir nicht bestimmte Dinge auch gemeinsam unternehmen.«</span><br /><br />Hier spricht kein unterdrücktes Heimchen am Herd mit unerfülltem Kinderwunsch, sondern die Kanzlerin dieser Republik, Frau Prof. Dr. Angela Merkel.<br /><br />Lassen wir uns also die Worte dieser, rhetorisch brillanten, durchsetzungsfähigen Machtmaschine noch einmal auf der Zunge zergehen:<br /><br />»In bestimmter Weise habe ich auch was zu sagen...«<br /><br />Wundern wir uns jetzt noch über irgendwas, das aus diesem Kabinett schallt?<br /><br /><br />
 <br /><br /> ]]></description>
<pubDate>Sat, 20 Feb 2010 00:27:52 +0100</pubDate>
<dc:creator>aho</dc:creator>
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<title>Arbeitsunwillige und Arbeitsverweigerer</title>
<link>http://andhof.blogg.de/eintrag.php?id=148</link>
<description><![CDATA[<br />
<span style="font-weight: bold;">Eine Definition</span><br /><br /><span style="font-style: italic;">In der Diskussion um die Äußerungen eines längst vergessenen Außenministers, der sich vor nicht allzu langer Zeit zu &quot;Hartz IV&quot; und &quot;Arbeitsunwilligen und Arbeitsverweigerern&quot; äußerte, bat eine Bekannte um eine Klärung dieser beiden Begriffe. Hier die meine:</span><br /><br /><span style="font-weight: bold;">»Arbeitsunwillige«</span> sind 90 Prozent aller Arbeitenden, denen Sklaventreiber, Galeerenkapitäne, Arbeitgeber und Gewerkschaften seit Jahrhunderten einzureden versuchen, Arbeit mache glücklich und werde ihnen Erfüllung geben. (Keine Arbeit macht: Depressionen und Komplexe!) Deswegen arbeiten sie - auch für lächerliche Entlohnungen - unwillig bis zum Umfallen, weil sie Angst davor haben, depressiv und nutzlos zu werden. Wie der Volksmund so schön sagt: »Von ehrlicher Arbeit ist noch keiner reich geworden.« Man kann auch anfügen: und glücklich auch kaum.<br /><br /><span style="font-weight: bold;">»Arbeitsverweiger«</span> stellen Menschen ein, die für so wenig Geld wie möglich die Arbeit machen, die sie (die Arbeitsverweigerer) zum Überleben brauchen. Arbeitsverweigerer werden am liebsten »Unternehmer«, »leitende Beamte«, »Unternehmensberater«, »Motivationstrainer« und Professoren oder Arbeitsamtsleiter. Manche lassen sich auch von vielen Nicht-Durchblickern in den Bundes- oder Landtag wählen und reden dann viel dummes Zeug über Hartz IV und »Arbeitsunwillige«.<br /><br /><span style="font-weight: bold; text-decoration: underline;">Das große deutsche Missverständnis:</span><br />Arbeitslose sind meist weder noch.... Denn es ist einfach keine Arbeit (schon gar keine angemessen bezahlte) für alle da....    (aho)<br />
 <br /><br /> &nbsp;]]></description>
<pubDate>Sat, 20 Feb 2010 00:07:40 +0100</pubDate>
<dc:creator>aho</dc:creator>
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<title>Inferno-Manie</title>
<link>http://andhof.blogg.de/eintrag.php?id=147</link>
<description><![CDATA[Es ist immer wieder lustig, wie die schöne deutsche Sprache in der BLÖD verhackstückt wird. Die Online-Ausgabe des Blattes titelt zu einem Leser-Video: »6 Häuser zerstört. Hier beginnt gerade ein Feuer-Inferno«. Da steht das Haus aber schon längst lichterloh in Flammen. Das aber mal beiseite. Dass »Inferno« aber schon Feuer heißt, muss hier doch hoffentlich nicht noch betont werden. Also ein »Feuer-Feuer« beginnt da anscheinend. Das ist vermutlich heißer und katastrophaler als normales Feuer, weil brennendes Feuer nunmal wärmer sein muss, als nichtbrennendes, oder? Es ist zumindest auch eine sprachliche Katastrohe. Allerdings findet man in dem Dummblatt auch immer wieder »Wasser-« oder »Schneeinfernos«. <br />
<br />
Was nur zeigt, daß hier die von Blöd-Journalisten nicht verstandene Sprache umgeschrieben und auf Blöd-Deutsch (Leser-Niveau?) heruntergebrochen werden soll: Inferno wird hier wohl im Sinne einer Katastrophe verwendet. Was natürlich Quatsch ist. Es gibt Überschwemmungen, Springfluten, Tsunamis (fast dasselbe, wenn ich das richtig sehe) oder Schneestürme und -lawinen. Aber für die Dumpfbrüter von der BLÖD-Zeitung sind das alles erstmal »Infernos«. Vermutlich, wenn mir mal der Kaffee umkippt, habe ich dann ein Kaffee-Inferno auf dem Tisch? Und wenn mein Weib mich schimpft, habe ich dann ein Wort-Inferno zu erleiden? Ja, ja, in ferno veritas, wie die alten Römer immer so schön am Lagerfeuer sagten. <br /><br /> ]]></description>
<pubDate>Thu, 18 Feb 2010 13:35:02 +0100</pubDate>
<dc:creator>aho</dc:creator>
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<title>Arbeitslose sind auch Wähler</title>
<link>http://andhof.blogg.de/eintrag.php?id=146</link>
<description><![CDATA[Diese Dreistigkeit lässt einem doch den Hut hochgehen: Da denkt und salbadert doch die Jung-Ministerinnen-Darstellerin Köhler gleich nach der Urteilsverkündung des Verfassungsgerichts in die Mikrofone, dass das Bundesverfassungsgericht ja nicht ausdrücklich gesagt habe, dass die ALG-Sätze zu niedrig seien. Und dass man vielleicht die ALG-Erhöhung auch in Sachleistungen... Hat die sie noch alle auf der Schnur? Ein anderer Koalitionär kann sich nicht entblöden, in der Deppenzeitung zu behaupten, die Erhöhungen gingen doch eh nur für Zigaretten drauf.<br /><br />Was ist das den für ein verquastes Menschenbild, dieser so genannten &quot;Volksvertreter&quot;? Solche &quot;Vertreter&quot; kann ich mir doch glatt schenken! Oder besser noch meinem ärgsten Feind.<br /><br />Wie macht diesen Flachzangen mal klar, dass<br /><br /><ul><li>... fast im Wochentakt 1000de von Arbeitsplätzen in diesem Land abgebaut werden?</li><li>... die meisten Arbeitslosen Arbeit für das höchste Glück halten, das Gott und das Leben für sie bereithalten?</li><li>... das Gericht sehr wohl klargestellt hat, dass niemand von 2 Euro furzig pro Tag leben kann?</li><li>... die meiste Arbeit heute schon von schändlich unterbezahlten Menschen geleistet wird?</li><li>... dass vieles, was ehrenamtlich passiert, viel notwendige bezahlte Arbeit vernichtet?</li></ul><br />Vor allem aber: Wer macht diesen geistigen Tieffliegern endlich klar, dass all jene, die von ihnen gern als &quot;minderqualifiziert, arbeitsunwillig und schwer motivierbar&quot; bezeichnet werden, mittlerweile nicht selten einen Berufs- und Universitätsabschluss haben und vor allem: Wähler sind?<br /><br />Ich wünschte mir vor den nächsten Wahlen eine ordentlich große Kampagne: <span style="font-weight: bold;">&quot;Arbeitslose sind auch Wähler!&quot;</span> Und damit das auch wirklich &quot;oben&quot; (Wie so oben? Immer hin gibt's gerade im Parlament jeden Tag Ausschuss!) ankommt:<br /><br /><span style="font-weight: bold;">Wählt sie ab</span>, und rückt dabei endlich mal <span style="text-decoration: underline;">nicht nach Rechts</span>, sondern innerhalb des demokratischen Spektrums <span style="text-decoration: underline;">woanders hin</span>! Hauptsache nicht zu denen, die Euch ständig beschimpfen! Macht diese Dummschwätzer arbeitslos. So, dass sie sich in den Job-Centern und Arbeits-Agenturen oder in den Beschäftigungsgesellschaften ganz hinten anstellen und für mindestens eine Wahlperiode auch mal für reichlich fünf Euro am Tag arbeiten müssten. (Was der Wortwichser und bekennende Arbeitslosenhasser Sarrazin ja bekanntermaßen gern täte, wenn man ihn nur ließe.)<br /><br />Aber leider sind da wohl ihre Freunde aus Konzernen, Rüstung und Industrie vor: <span style="font-style: italic;">Machtinzucht</span> nennt das wohl.<br /><br />Was ich wirklich sehr schade finde. Es wäre doch mal interessant, was jene, die heute so abfällig über Arbeitslose urteilen, selbst als Arbeitssuchende über die von ihnen geschaffenen Konditionen sagen würden.<br /><br />Sagt es weiter: &quot;<span style="font-weight: bold;">Arbeitslose sind auch Wähler! </span>Viele Millionen, inzwischen! Und die wollen endlich ohne Diskriminierung in diese Gesellschaft integriert werden.&quot; Sagt es weiter!<br />
 <br /><br /> Are<br />
]]></description>
<pubDate>Wed, 10 Feb 2010 18:17:54 +0100</pubDate>
<dc:creator>aho</dc:creator>
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<title>Kochs Brei - nicht neu - zu Hartz IV-Empfängern...</title>
<link>http://andhof.blogg.de/eintrag.php?id=145</link>
<description><![CDATA[<span style="font-weight: bold;">Schlag' nach bei</span> (nein, nicht bei Shakespeare...): <span style="font-weight: bold;">Thomas Malthus</span><br /><br /><span style="font-style: italic;">»Essay on the Principle of Population«</span><br style="font-style: italic;" /><span style="font-style: italic;">(zitiert und erklärt von Paul Harrison in: »Die Dritte Revolution«, Suhrkamp 1996)</span><br style="font-style: italic;" /><br />„<span style="font-weight: bold;">Von Natur aus wären die Menschen »träge, faul und arbeitsscheu, wenn sie nicht von der Notwendigkeit gezwungen würden«</span>. Die Leidenschaft zwischen den Geschlechtern sei grundlegend, und das würde sich niemals ändern.<br />    Wegen dieses Triebes wüchse die Bevölkerung stets in geometrischer Progression (1, 2, 4, 8, 16 und so weiter), wenn sie nicht gebremst würde: die Nahrungsmittelproduktion könne jedoch nur in arithmetischer Progression zunehmen (1, 2, 3, 4, 5). Somit »ist die Kraft der Bevölkerungsdichte unendlich größer als die Kraft der Erde, den Menschen zu versorgen.«<br />    Da Nahrung für das Überleben notwendig ist, müssen die Auswirkungen dieser beiden ungleichen Kräfte irgendwie ins Gleichgewicht gebracht werden. In den unteren Gesellschaftsschichten wäre das Problem des nackten Überlebens ein ständiger Begrenzungsfaktor. Alle überzähligen Menschen würden einfach sterben. Die unteren Mittelschichten - einige verarmte Adelige, Händler, Diener und geschickte Arbeiter - könnten vorausschauend sein und spät oder überhaupt nicht heiraten.<br />    Malthus schlug keine Maßnahmen vor, um das Bevölkerungswachstum zu stoppen. Natürliche Begrenzungsfaktoren arbeiteten kontinuierlich und effektiv, bis das Bevölkerungswachstum nicht mehr größer sei als die Zunahme der Nahrungsmittelversorgung.<br />    Malthus’ unheilvolle Lehre war nicht als soziologisches oder natürliches Gesetz gedacht - auch wenn sie sich als solche darstellte. Seine hauptsächliche Absicht war, die Unmöglichkeit des Erfolgs aller Bestrebungen zu beweisen, die das Los der Arbeiter verbessern oder die Einkommen neu verteilen wollten. Malthus machte das recht deutlich: Seine Lehre sei eine »unüberwindliche Schwierigkeit« auf dem Weg zur Vervollkommnung der Gesellschaft. Er sagte, daß sie <span style="font-weight: bold;">»entscheidend gegen die mögliche Existenz einer Gesellschaft sei, deren Mitglieder in Mühelosigkeit, Glück und relativer Freiheit lebten und sich nicht um ihr Überleben und das ihrer Familien sorgen müßten.«</span><br />    In diesem Zusammenhang ist der geschichtliche Hintergrund von Bedeutung. Die Französische Revolution brach 1789 aus und rief auch in Großbritannien Forderungen nach radikalen Reformen hervor. Reformen wurden auch immer nötiger. Das Landbesitzrecht und das industrielle Wachstum nahm vielen armen Landbewohnern die Möglichkeit, ihren Lebensunterhalt von ihrem Land oder ihrem Handwerk zu bestreiten. <span style="font-style: italic; text-decoration: underline;">Gleichzeitig trieb der Krieg die Brotpreise hoch. Um die Armut zu lindern, wurde im Jahr 1795 das Speenhamland-System eingeführt. Es stockte die Löhne der Arbeiter auf, wenn sie unter das Existenzminimum fielen. Dieses wurde anhand des Brotpreises und der Familiengröße berechnet. Das System hatte jedoch lediglich zur Folge, daß die Arbeitgeber die Löhne unter das Existenzminimum senken konnten. So hatten die Armen keine besseren Lebensbedingungen als zuvor.</span><br />    Deshalb schieb Malthus, der Sohn eines Landbesitzers, aus einer Position der Sorge um sein bedrohtes Vorrecht. Die erste Fassung seines Essay war flüchtig zusammengestellt, schlecht dokumentiert, argumentierte unzusammenhängend und war vor allem polemisch. Die Französische Revolution wurde als ein »Aufruhr von abstoßenden Leidenschaften, Furcht, Grausamkeit, Übel, Rache, Neid, Verrücktheit und Irrsinn, der der wildesten Nation im barbarischsten Zeitalter zur Schande gereicht hätte« verurteilt. <span style="font-weight: bold;">Das Speenhamland-System wurde kritisiert, da es Müßiggang, Ausschweifung und eine große Kinderzahl fördern würde. Malthus riet zu einer Rückkehr zum alten strafenden Typ des Arbeitshauses, das so unangenehm war, daß Müßiggänger zur Arbeit gezwungen würden.</span> Er behauptete, daß Ungleichheit unvermeidlich sei. Jeder Teil der Materie »muß eine Ober- und eine Unterseite haben. Es ist unmöglich, daß alle Teile in der Mitte sind.«<br />    Als ein Mann mit religiöser Bindung - er ging 1797 sind Kloster - lehnte Malthus es ab, in den unerbittlichen Folgen dieser »Gesetze« das Zeichen eines zürnenden Gottes zu sehen. Er schieb, daß der ständige Leidensdruck dazu gedacht sei, unsere Hoffnungen auf die Zukunft und auf die Läuterung des Ichs zu lenken. Das Böse existiere nicht auf der Welt, um Verzweiflung zu schaffen, sondern um Aktivität hervorzurufen. Wir sollten es nicht geduldig hinnehmen, sondern uns bemühen, eszu vermeiden. Außerdem »stimuliert« Ungleichheit »soziale Sympathie ... und schafft Spielraum für die vielfältigen Übungen der Mildtätigkeit«. Wenn die Armen nicht arm sind, haben die Reichen keine Gelegenheit, Nächstenliebe zu praktizieren.“<br /><br />Kommt uns das nicht irgendwie bekannt vor? Roland Koch ist also nicht einmal ein origineller Kopf... Aber gut: hat ja auch noch niemand behauptet. Aber dass seine Ansichten über 200 Jahre alt sind, ist schon bemerkenswert.<br /><br />In diesem Sinne<br />A. Ho.<br /> <br /><br /> &nbsp;]]></description>
<pubDate>Thu, 21 Jan 2010 22:23:08 +0100</pubDate>
<dc:creator>aho</dc:creator>
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<title>Obama hätte den Nobelpreis... </title>
<link>http://andhof.blogg.de/eintrag.php?id=144</link>
<description><![CDATA[... im Nachhinein abgesprochen bekommen müssen. Denn erstens weiß man, daß kein US-Präsident der letzten 30 Jahre irgendwo in der Welt wirklich für Frieden gesorgt hat, und zum anderen weiß man, daß Obama kein Friedenspräsident ist, auch wenn sich viele das so wünschen.<br /><br />Und nur weil er schwarz ist und US-Präsident wurde: das ist kein Grund ihm diesen Preis, der für Verdienste vergeben wird, umzuhängen. So sympathisch er mir ist: damit hat sich das Nobelpreis-Kommitee einen Bärendienst erwiesen. Denn wen man einen Präsidenen ehr, der die Truppenzaghl in fremden Ländern noch erhäht, statt den disziplinierten, möglichst nachhaltigen Rückzug anzuordnen, der kann praktisch auch die RAF ehren. Oder die Erbauer des antifaschistischen Schutzwalls oder wen auch immer...<br /><br />Obama meint, er stelle sich der Welt, wie sie sei. Dann hätte er den Preis sogar ausschlagen sollen, bis irgendwann. Bis nämlich sein &quot;Lebenswerk&quot; auf dem Tisch läge. Und das müsste dann nobelpreiswürdig sein. Aber mit dem Nobelpreis ist ews vielleicht wie mit dem Oscar: Viele Verdiente haben ihn bekommen, aber viele Würdige auch nicht. Das macht solche Preise immer ein wenig fragwürdig.<br />Für das Preisgeld kann Obama immerhin noch ein paar Weihnachtsgeschenke mehr kaufen. Würde mich interessieren, welche und für wen... Und für die Medaille wird sich bestimmt auch noch ein Plätzchen finden.<br /><br />In diesem Sinne<br /><br />
 <br /><br /> &nbsp;]]></description>
<pubDate>Thu, 10 Dec 2009 15:06:13 +0100</pubDate>
<dc:creator>aho</dc:creator>
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<title>Tage der Heuchelei - zur Leichtathletik-WM</title>
<link>http://andhof.blogg.de/eintrag.php?id=143</link>
<description><![CDATA[Es muss einem nicht gefallen, was Diskuswerfer Robert Harting diesertage von sich gegeben hat. (Zu den minderjährigen Dopingopfern der DDR hätte er sich mal erkundigen können, und sonst?) Aber von erwachsenen und hinreichend intelligenten Sportlern, denke ich, kann man erwarten, dass sie fragen, welche Pillen sie gereicht und welche Spritzen sie gesetzt bekommen - und dass sie sich erkundigen, was da mit ihrem Körper geschehen soll. Das hat einfach mit dem Erwachsensein zu tun. Ein »ich wurde gezwungen« kann da kaum gelten, denke ich.  <span style="font-weight: bold;">Harting hat mal seinen Kopf benutzt und Fragen gestellt.</span> Die Antwort müsste eine offene Diskussion sein, und kein Maulkorb.<br /><br /><span style="font-weight: bold;">Denn wenn Harting dann mal laut darüber nachdenkt, Doping, zumindest teilweise, freizugeben, ist das angesichts der Zeiten eines Usain Bolt nur legitim.</span> Jetzt nur keine empörten Aufschreie! Bolt rennt bei den Olympischen Spielen problemlos zu 9,69 Sekunden über 100 Metern und gakelt dabei noch rum, als sei er Clown auf dem Kindergeburtstag. Das riecht doch förmlich nach »Mittelchen« aus dem Labor.<br /><br />Aber was passiert? Harting sagt was Unangenehmes, und für diesen Bolt stehen die Massen auf, werden geradezu hysterisch. Während der eine niedergemacht wird, feiern sie des anderen  - alle Gegner verhöhnenden - »saubere« Erfolge.<br /><br />Noch immer wollen die Massen ihre Helden haben, statt ehrlicher Sportler. »Ehrlich« heißt für mich nicht einfach »ungedopt«, sondern solche, die sich nicht auch noch heuchlerisch hinstellen und davon labern, »sauber« zu sein, um dann einen Rekord nach dem anderen rauszuhauen, als sei das wie Brötchenholen.<br /><br /><span style="font-style: italic;">Dabei gibt es längst das Beispiel der »Magier«, die sich auch »Illusionisten« nennen. Folgen wir ihren Tricks nicht gern? Auch wenn wir genau wissen, dass es Hellseherei, Telepathie oder »Zauberei« allgemein nicht gibt? Wir alle wissen, dass sich deren Leistungen, so phantastisch sie anmuten, physikalisch erklären lassen. Aber wir genießen den »Betrug«, weil er auf eine gewisse Weise ehrlich ist.</span><br /><br />Und das soll im Sport nicht funktionieren? Schon zu den Olympischen Spielen konnte einen die Krätze befallen, wenn man diese ganzen verlogenen Eiertänze mitanschaute. Jeder im Stadion weiß, was er von vielen Leistungen zu halten hat. Aber noch immer warnen die Sportreporter sowohl zur »Tour de France« wie zu den Schwimm- und jetzt Leichtathletik-Weltmeisterschaften vor »Vorverurteilung«! <span style="font-style: italic;">Geht’s noch?</span><br /><br />Die Zuschauer sind längst davon überzeugt, dass es »nicht mit rechten Dingen« vor sich geht, und dennoch werden die Sportereignisse zu kommerziellen Erfolgen. Warum sollte man also diese Heuchelei nicht endlich lassen? Wer glaubt, dass die Massen dem Sport den Rücken kehrten, wenn der sich offen zu Doping bekennt, hat die Zeichen der Zeit nicht erkannt:<br /><br /><span style="text-decoration: underline;">Jeder weiß</span>, dass die Klitschkos nur Fallobst vorgesetzt bekommen. <span style="text-decoration: underline;">Jeder weiß</span>, dass beim sogenannten Wrestling nur Choreographien gezeigt werden, und keine Kämpfe. Und <span style="text-decoration: underline;">jeder weiß</span>, dass die Tour de France eine rollende Apotheke ist. Schadet es den Veranstaltungen? Kurioserweise nicht. Dabei müssten sie leer sein, und dem Desinteresse aller »Sportinteressierten« anheim fallen.<br /><br /><span style="font-style: italic;">Da konnte vor ein paar Monaten sogar eine Athletin sagen, dass doch auch vor 20 Jahren Weltrekorde gelaufen wurden, ohne dass diese Leistungen in Frage gestellt worden seien. Und nichts anderes tue sie doch auch jetzt. (War’s eine Schwimmerin, eine Leichtathletin oder Eissschnellläuferin? Ich weiß es nicht mehr. Mir ist aber das heuchlerische Argument im Kopf geblieben.)</span><br /><br />Schön, kann ich nur sagen, wenn der Sportreporter (eigentlich nur der lebende Mikrofonständer) unkritisch nickend danebensteht und nicht mal nachhakt. Denn: ›Weltrekord‹ ist nicht ›Weltmeister‹, sondern die größte bis dahin erreichte Leistung in der jeweiligen Sportart. Man kann einen Weltrekord aufstellen, und schon früher gab es die Momente, in denen ein vorheriger Rekord geradezu »pulverisiert« oder in Grund und Boden gelaufen wurde.<br />    Aber kann mir einer erklären, wie der damals beinah unfassbare Weltrekord eines nachweislich hochgedopten Ben Johnson, dem nicht einmal das Jahrhunderttalent Carl Lewis folgen konnte, nun von einer ganzen Reihe angeblich sauberer Jungspund-Athleten der Lächerlichkeit preisgegeben wird? <br /><br />Fast jede WM oder Olympische Spiele bringen einen neuen Wunderläufer hervor. Wie geht das, frage ich hier mal in die Runde.<br /><br />Zugegeben: Die Trainingsmethoden verfeinern sich im Laufe der Zeit, die Wissenschaft kommt voran, es werden neue Erkenntnisse gesammelt und angewandt; die Menschen werden größer und vielleicht sogar schneller. Aber wo liegt die Grenze des sauber Machbaren? Möglicherweise schon bei 10,1?<br /><br />Im Grunde wird jede Siegerehrung im Berliner Olympiastadion zur Ehrung auf Widerruf, weil wir überhaupt nicht wissen, was die nächsten Tage an Tests bringen, aber ahnen, was sie brächten, wenn man sie nur konsequenter durchführen würde.<br /><br />Und wenn das ein mündiger, wenn auch vielleicht noch diplomatisch unreifer, Athlet thematisiert, gehört nicht ihm der Mund verboten, sondern all jenen das Mikrofon entzogen, die sich mit »Wundertaten« nach wie vor als »Saubermänner und Frauen« darstellen und von guten Trainingsmethoden und tollem Trainerstab schwadronieren.<br /><br /><span style="font-style: italic;">Ein deutscher Weitspringer führte bei dieser Berliner Leichtathletik-WM auch mal seine Ärzte an. Nicht, weil er offen gedopt hätte, beileibe nicht. Sondern weil sie ihn wieder »fit gespritzt« haben. Irgend eine Sehne zwickte, und mit Schmerzmitteln und allen möglichen Bandagen hat man ihn dazu gebracht, weit zu springen, statt die Verletzung auszukurieren. Wo ist da die Grenze zum Doping? Wenn ich (aus welchen Gründen auch immer) nicht in Form bin, kann ich auch nicht antreten, basta.</span><br style="font-style: italic;" /><br />Dabei möchte ich hier klarstellen: Alles Doping hilft natürlich nichts, wenn die Athletinnen und Athleten nicht das nötige Talent, den Fleiß und die Hingabe mitbringen, die über lange Jahre täglich aufbringen. Das würde ich nie bestreiten: Doping macht aus keinem Pinguin eine Gazelle. Aber ohne Doping würden dieselben talentierten und fleißigen Sportlerinnen und Sportler sicher »weniger« leisten, und das will das Publikum, wollen die Funktionäre, nicht. Denn das ist es doch, wovon die einen träumen und womit die anderen Geld verdienen wollen.<br /><br /><span style="font-style: italic;">Und man will unbedingt glorreiche Helden sehen. Jeder möchte dabei sein, wenn »Geschichte geschrieben« wird. (Im Sport, woanders, wie in der »Dritten Welt«, in unserem immer unsozialer werdenden Land, in der Wirtschaft, ist es komischerweise dann nicht so intgeressant.) Das ist das Traurige. </span><br /><br />Deswegen jubeln alle einem - vermutlich bis unter die Haarwurzeln gedopten - Usain Bolt zu und geben dem »Störer« Robert Harting was auf die Mütze. Der Präsident des deutschen Leichtathletik-Verbandes hat schon angekündigt, Hartings Äußerung würden ein Nachspiel haben. Das würde ich hoffen! Und weiter hoffen, dass der Präsident dem Athleten noch einmal genau zuhört, und dass er dann noch einmal gründlich über diese Tage der Heuchelei nachdenkt, statt sich vielleicht heimlich noch ein Autogramm von Bolt zu holen.<br /><br />Denn was würde sich mit Hartings Forderung mit einer - sogar nur teilweisen - Freigabe des Dopings ändern? Der Sport würde <span style="font-weight: bold;">nur ein bisschen ehrlicher</span>. Wie die »Zauberei« im Zirkus. Wir alle wissen, es sind Tricks, und kein »Magier« wird das je leugnen. Und wir genießen die Illusion trotzdem, weil sie gut ist. Auch im Sport werden mittlerweile Illusionen verkauft. Nur eben nicht ehrlich als solche etikettiert.<br />
 <br /><br /> &nbsp;]]></description>
<pubDate>Sat, 22 Aug 2009 09:21:35 +0200</pubDate>
<dc:creator>aho</dc:creator>
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<title>Alles schon mal da gewesen...</title>
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<description><![CDATA[Geschichte wiederholt sich nicht, sagen manche gern. Was dann wiederum zu dem Trugschluss führt, dass Geschichte uns nichts mehr zu sagen habe und »out« sei.<br />Dass Geschichte aber durchaus noch ihre Reize hat, und dass der Blick zurück manchmal auch Antworten für »heute« geben kann, möchte der Autor dieser Zeilen in diesem Moment einmal demonstrieren und hofft, dass die werte Leserschaft sich ein paar Minuten geduldet, um sich dann noch einmal Gedanken um so etwas zu machen, wie »moderne Medien«, um Computerspiele und gar noch um »Killerspiele«, die in diesen Tagen immer wieder von Regierenden mit Bann und Acht belegt werden sollen, während andere (die Spieler nämlich) immer und immer wieder ihre Unschuld (oder die Unschuld ihrer Spiele) beteuern. Aber der langen Rede kurzer Sinn: Lesen Sie selbst und staunen Sie.<br /><br />»Die Männer berieten nun wieder, was zu tun sei. Sie sahen, dass der Gringo in der Erdrinne augenblicklich im Vorteil war; er lag gut gedeckt. Sobald sie zogen, ließ er sich fallen, und ehe sie den Durchgang zum Busch erreichen konnten, hatte er sechsmal gefeuert, und wenn er gut geschossen hatte, lagen sie alle flach. Sie gingen deshalb wieder zurück und setzten sich auf den Erdboden.<br /><br />[...]<br /><br />Sicher waren sie zu der Überzeugung gekommen, dass der Gringo ihnen ja auf alle Fälle in die Hände schlüpfen müsse. Er konnte dort nicht weg, und da sie hier auf dem Platz ihr Feldlager hielten, so handelte es sich gewiss nur um zwei Tage, und der Belagerte musste aufgeben. Er würde ja auch einmal schlafen, und dann könne man ihn leicht überraschen.<br /><br />[...]<br /><br />Sie suchten sich zu beschäftigen. Und aus diesem Betätigungsdrang heraus kamen sie auf den Gedanken, Curtin [den Gringo] zu überlisten, ihn gefangenzunehmen und sich dann mit ihm den Nachmittag angenehm zu vertreiben. Das <span style="text-decoration: underline;">Opfer findet gewöhnlich einen solchen Zeitvertreib weniger angenehm</span>. Den Höhepunkt jenes lieblichen Gesellschaftsspiels mit Pfändern überlebt es oftmals nicht. <br /><br /><span style="font-weight: bold;">Die Leute sehen ja alle in der Kirche so viele Bilder und Gemälde mit den blutigsten Greueln</span>, sehen die aufgestellten Figuren der Heiligen und Märtyrer mit <span style="text-decoration: underline;">zerfetzten Körpern</span>, <span style="text-decoration: underline;">Leiber, die mit Speeren und Pfeilen vollgespickt</span> sind, offene Mäuler, aus denen der <span style="text-decoration: underline;">abgeschnittene Stumpf der Zunge</span> herausgrinst, <span style="text-decoration: underline;">herausgerissene Menschenherzen</span>, an denen das Blut heruntertropft und aus denen rote Flammen schlagen, zernagelte, <span style="text-decoration: underline;">blutüberströmte Hände und Füße</span>, <span style="text-decoration: underline;">aufgebrochene Knie und zermalmte Kniescheiben</span>, Rücken, die mit Angelhaken gepeitscht werden, und Häupter, auf die Dornenkränze mit einem dicken Holzhammer getrieben werden.<br /><br />Und vor diesen Bildern und hölzernen Figuren, die so realistisch sind, dass man von unsagbarem Grauen geschüttelt wird, wenn man sie sieht, und im Schlafe aufgerissen wird, wenn sie einem im Traum erscheinen, liegen die Gläubigen und Frommen stundenlang auf Knien mit weitausgestreckten Armen und ausgebreiteten Händen und wimmern und stöhnen und beten und murmeln und singen mit leiser Stimme hundert, zweihundert, fünfhundert Ave Marias.<br /><br />Und <span style="text-decoration: underline;">diese Männer</span>, wenn sie ihren Zeitvertreib mit ihren Opfern suchen, <span style="text-decoration: underline;">brauchen keine Erfindungsgabe zu besitzen, sie brauchen nur nachzuahmen, was sie von Kindheit an in der Kirche gesehen haben</span>. Und sie ahmen es nach, geschickt und treu nach den Mustern, denn ihre ganze geistige Vorstellung, die sie haben, wurzelt in der Religion, aber in einer Religion, die auf sie nur durch das Äußerliche, durch die realistische Darstellung, durch die mysteriösen Zeremonien wirkt. Und hier ist es, unter diesen Menschen, wo in der Karwoche <span style="text-decoration: underline;">die ganze grausame Folterungsgeschichte in allen ihren minuziösen Einzelheiten</span> an lebensgroßen Figuren in erschütternder Naturwahrheit den gläubigen Mengen vorgeführt wird.<br /><br />Das ist kein Passionsspiel; die Vorführungen werden buchstäblich und unmittelbar von diesen Menschen aufgenommen, von diesen bedauernswerten Menschen, die durch unheilvolle Mächte seit Jahrhunderten und bis auf den heutigen Tag in Aberglauben und Unwissenheit gehalten werden, im nackten egoistischen Interesse jener Mächte.<br /><br />Und <span style="text-decoration: underline;">eine Regierung</span>, die in wahrhaft modernem Geiste zum Segen dieser gequälten, unglücklichen Menschen zu arbeiten trachtet und den Kampf gegen jene Mächte zu führen gezwungen ist, <span style="text-decoration: underline;">muss Kavallerieregimenter ausschicken, um diejenigen, die nichts weiter tun, als das nachzuahmen, was sie sehen, einzufangen und als Verbrecher zu behandeln</span>.«<br /><br /><span style="font-weight: bold;">B. Traven</span>: »Der Schatz der Sierra Madre« (1927)<br />
 <br /><br /> ]]></description>
<pubDate>Mon, 20 Jul 2009 00:45:58 +0200</pubDate>
<dc:creator>aho</dc:creator>
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